Bezirk 1 – Innenstadt
Bauprojekte machen Bäumen
Garaus
Eines von vielen Bauvorhaben im Bezirk
1, der Ausbau der Rheinuferstraße (Foto:
Reimers)
Es ist nicht vermessen zu behaupten,
dass zurzeit in der Innenstadt und in
Deutz ein Bauboom stattfi ndet, der
nach dem Wiederaufbau der größte in
der Nachkriegsgeschichte des Bezirks 1
ist. Einige Projekte sollen hier stellvertretend
für viele andere genannt werden:
Da wäre allen voran der Bau der
Nord-Süd-U-Bahn vom Breslauer Platz
bis zur Bonner Straße am Eifeltor, als
das zur Zeit größte Bauprojekt in einer
Großstadt der Bundesrepublik! Weiterhin
der Hochwasserschutz von der Süd-
bis zur Zoobrücke, die ständige Erweiterung
der Köln-Messe bis zum heutigen
Tage, die zukünftige Hauptzentrale der
Deutschen Entwicklungsgesellschaft
(DEG) vor der Kaufhofhauptverwaltung
an der Nord-Süd-Fahrt, die Constantinhöfe
in Deutz oder der Ausbau
der Rheinuferstraße. Zuletzt, aber nicht
dem Werte nach, sollen auch die vielen
kleinen Baumaßnahmen von privaten
Eigentümern genannt werden – zum
Beispiel der Rathenauplatz 31 –, welche
mit den Großprojekten eines gemeinsam
haben: Sie erfordern knallhart das
Fällen von durchweg kerngesunden
Bäumen.
Es ist darum ebenfalls nicht vermessen
zu behaupten, dass alle Bauprojekte
der letzten siebeneinhalb Jahre, so viele
Bäume umgehauen haben, wie es alle
Wirbelstürme in der Vergangenheit
und in der Zukunft nicht geschafft haben
und es nicht schaffen werden. Die
Maßgabe, dass Baurecht vor Baumrecht
geht ist nicht immer gerecht. Ohne jemandem
zu nahetreten zu wollen, aber
auch zwei Legislaturperioden mit grüner
Beteiligung in Düsseldorf und fast
zwei in Berlin, haben an diesem Zustand
nichts geändert!
Damit kein falscher Eindruck entsteht:
Selbst für einen der in der Nordeifel
geboren und mit dem Holzfällen groß
wurde, der sich über die erste Motorkettensäge
im Hause freute wie ein
kleines Kind und der manches Bauprojekt
in der Innenstadt für gut befi ndet,
wird es zu viel mit dem Bäumefällen im
Bezirk 1! Folgender Satz meines Vaters
ist mir immer noch im Ohr: „Für jeden
Baum der gefällt wird, müssen zwei
neu gepfl anzt werden!“ Zwei deshalb,
weil nicht alle Setzlinge durchkommen!
Daher brauchen wir einen Masterplan
für Ersatz- und Neupfl anzungen in der
Innenstadt-Deutz! Dazu brauchen wir
die Hilfe der Partei und der Ratsfraktion!
Diese immense Herausforderung
werden wir alleine in der BV 1 nicht
gestemmt bekommen. In diesem Sinne
grüßt für die BV 1 Innenstadt
Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister
Bezirk 3 – Lindenthal
Kölner Grünanlagen – beliebt
und durch Fremdnutzung
gefährdet
Köln von seiner vorteilhaften Seite – da
nennen KölnerInnen gerne den Äußeren
Grüngürtel und die vielen Parks.
Einem städtebaulichen Weitblick in den
20er-Jahren verdanken wir, dass sich
heute dort lebendige Stadtteile entwickeln
und Firmen die Standortvorteile
nutzen. Von grünen Politiker/innen
wird zu Recht erwartet, dass sie sich in
besonderer Weise für den Erhalt, die Erweiterung
und ökologische Gestaltung
der Grünanlagen einsetzen. Und da
gibt es eine Menge zu tun, denn immer
wieder versuchen einzelne Interessengruppen
die begehrten Flächen für sich
zu nutzen.
Jüngstes Beispiel ist der geplante Büroneubau
des 1. FC Köln am Geißbockheim
mitten im Grüngürtel. Während
sportliche Flächen und die damit verbundenen
Einrichtungen Bestandteil
des Grüngürtels sind, gehören Verwaltungsgebäude
unserer Meinung nach
nicht dazu. Die Verwaltung und der Dezernent
sehen das anders und behaupten,
den Neubau genehmigen zu müssen.
Ein Bündnis von Organisationen,
Bürgergruppen und Einzelpersonen
gründen zurzeit die Initiative „Rettet
die Grüngürtel in Köln vor der Bebauung“.
Mit öffentlichen Protesten, rechtlichen
Schritten und mit Unterstützung
der Grünen und der Bezirksvertretung
Lindenthal insgesamt kann diese Fehlplanung
möglicherweise noch verhindert
werden.
Zum Erfolg führte dieses gemeinsame
Vorgehen im letzten Jahr beim Club
Astoria am Adenauer Weiher. Nach dem
Abzug der belgischen Streitkräfte stand
das ehemals belgische Offi zierskasino
mit dem Außengelände mehrere Jahre
leer. Nachdem die Verwaltung beinahe
einem privaten Investor den Zuschuss
gegeben hätte, kam Bewegung in die
Angelegenheit, nachdem Bürgergruppen
und die Bezirksvertretung sich für
eine öffentliche gastronomische Nutzung
einsetzten.
Als ein längerfristiges Projekt wirkt der
Freundeskreis „Landschaftspark Belvedere“,
in dem mehrere Bürgergruppen
und auch unsere grünen Bezirksvertreter/
innen Angelika Burauen und
Roland Schüler aktiv vertreten sind.
Ziel des Freundeskreises ist es, den Äußeren
Grüngürtel, so wie er ursprünglich
geplant war, zu erweitern und im
Rahmen der „Regionale 2010“ unter
dem Motto „Brückenschläge“ für eine
durchgängige Grünverbindung vom
Äußeren Grüngürtel bis zur Glessener
Höhe im Rhein-Erftkreis einzutreten
(www.landschaftsparkbelvedere.de).
Mit der Erweiterung bzw. Vollendung
des Äußeren Grüngürtels sind auch unsere
grünen Ziele für die nächsten Jahre
in diesem Bereich vorgegeben. Denn
die erfolgreiche Umsetzung erfordert
Weitsicht, Beharrlichkeit und kluge Politik
auch gegenüber Widerständen und
fremden Zugriffen.
Ulla Theisling, Angelika Burauen, Roland
Schüler, Jan Körber
Bezirk 4 – Ehrenfeld
Bäume ade!
Ehrenfeld kann nicht gerade als „Grüne
Lunge“ bezeichnet werden. Entsprechend
entsetzt waren wir – und sehr
viele BürgerInnen – über die radikalen
Baum- und Strauchfällungen im Bezirk.
Zahlreiche Artikel in den Tageszeitungen
haben das Thema aufgeheizt.
Seitens des Grünfl ächenamts handelte
es sich nur um „normale“ Pfl egemaßnahmen.
Um einem solchen Kahlschlag
künftig zu verhindern, haben die BV-
4-Grünen zusammen mit dem Kooperationspartner
SPD einen Antrag eingebracht:
Der Bezirksvertretung soll
künftig ein Zeit-Maßnahmen-Plan des
Pfl egekonzeptes frühzeitig vorgelegt
werden. Zudem wollen wir erfahren,
wo und wann Ersatzpfl anzungen erfol-
gen und welche Baumarten gepfl anzt
werden.
Einiges in Sachen Bäume kommt auf
Ehrenfeld zu, weil auf der Venloer Straße
alle Platanen ersetzt werden sollen.
Das ist leider nötig. Denn der Untergrund
ist durch „Pfusch“ beim U-Bahnbau
in den 80er-Jahren nicht durchlässig.
Die Wurzeln müssen nach oben
ausweichen (daher ist der Fahrradweg
so schlecht) und können auf Dauer den
Baum nicht sicher halten. Unzufrieden
sind wir Grünen darüber, dass bei der
Sanierung nicht ausreichend die Beseitigung
der Verkehrs- und Sicherheitsprobleme
angegangen wird. Dagegen
werden wir konsequent vorgehen!
Aber es gibt auch positives in Sachen
Grün zu berichten: Zusammen mit
Bürgerinitiativen konnte Einiges bewegt
werden, zum Beispiel konnte die
„Simrock-Initiative“ ihren grünen Innenhof
für immer sichern und gleichzeitig
mehr innenstädtische Wohnfl äche
schaffen. Am Kwatta-Park wurde
dieses Jahr nach vielen Ortsterminen
in die Pfl ege investiert. Ebenso wurde
mit unserer Unterstützung einem Bürgerantrag
zur Änderung des B-Planes
des Gewerbegebiets „Bio-Campus Cologne“
zugestimmt: Die Bäume an der
Ostseite des Gebiets sollen durch Erweiterung
der Abstandfl äche erhalten
bleiben. Derzeit wird allerdings im Rat
über den Antrag entschieden. Ein schönes
Zukunftsprojekt ist die Regionale
2010 – Projekt RegioGrün: Dann werden
wir mit dem insgesamt 300 Hektar
großen Landschaftspark Belvedere
einen wunderbares Gebiet mit hohem
Freizeitwert im Bezirk haben.
Kirsten Reinhardt
Auch in Ehrenfeld werden viele Bäume gefällt
– zu viele, meint die grüne BV-Fraktion.
Bezirk 5 – Nippes
Grüne Erfolge
Das Nippeser Tälchen soll Naturdenkmal
werden.
Wir möchten hier eine Auswahl von
ökologischen Erfolge beziehungsweise
Initiativen vorstellen, die in der BV Nippes
durchgesetzt werden konnten. Der
Weiher im Blücherpark, dem schönsten
Park in Nippes, der von unseren BürgerInnen
und denen von Ehrenfeld stark
genutzt wurde, war zu großen Teilen
mit Algen zugewachsen und drohte
„umzukippen“. Dieser „Algenteppich“
wurde entfernt. Die städtebaulich verträgliche
Bebauung auf den versiegelten
Rennbahn-Parkfl ächen an der
Scheibenstraße ist ein weiterer Schritt
zum Erhalt des Landschaftsschutzgebiets
der Rennbahn an der Niehler Straße.
Als Alternative zu den geplanten
neuen Parkplätzen auf einem benachbarten
Wiesengrundstück haben wir
andere ortsnahe versiegelte Flächen der
Verwaltung zur Prüfung vorgeschlagen.
Eine Reihe von Bäumen auf der
Neusser Straße wurden gepfl anzt, einige
Parkplätze mussten dafür weichen.
Gemeinsam mit der SPD konnte der
Widerstand der übrigen BV-Mitglieder
überstimmt werden. Das kleine und
stark frequentierte Christina-Plätzchen
war zur Hundewiese verkommen und
war stark vermüllt. Der Platz wurde als
kleine Oase wieder hergestellt, Mülleimer
und eine Picknickbank aufgestellt.
Da aber keine Pfl ege erfolgt, stellt sich
allmählich der alte Zustand wieder
her. Wir kümmern uns darum! Bäume
auf dem Leipziger Platz, einem neu gestalteten
Spielplatz, wurden zerstört.
Es werden nach BV-Beschluss Ersatzpfl
anzungen vorgenommen. Von einer
ganzen Reihe von Bäumen ist nur
noch eine mächtige Rosskastanie auf
der Neusser Straße erhalten. Sie ist als
Naturdenkmal ausgewiesen. Sie prägt
auch das Bild der Neusser Straße – aufgrund
ihrer Größe und ihrer Stellung.
Die BV hat beschlossen, dass nachhaltige
Maßnahmen ergriffen werden sollen,
um ihren bedrohten Bestand nachhaltig
zu sichern. Das Nippeser Tälchen,
ein sichtbares Überbleibsel eines alten
Rheinarms, der ansonsten aufgefüllt
worden ist, hat auch in der jüngeren Vergangenheit
Fläche verloren (Festplatz,
Schulgebäude, Parkplätze, Außengastronomie).
Wir haben einen Beschluss
der BV herbeigeführt, nach dem dies
als Naturdenkmal ausgewiesen werden
soll, um diesen Prozess zu stoppen.
Dabei sollen die Freizeitmöglichkeiten
aber nicht eingeschränkt werden. Diese
Erfolge sind nicht zuletzt auf die gute
und konstruktive Zusammenarbeit mit
der SPD zurückzuführen.
Dr. Herbert Clasen
Bezirk 6 – Chroweiler
Bäume ade!
See im Kölner Norden – Naturparadies und
Erholungsgebiet (Foto: Harald Junge).
Erfreuliche Entwicklungen gibt es bei
uns im Erholungsgebiet Stöckheimer
Hof. So ist die Rekultivierung des
Pescher Sees weitgehend abgeschlossen.
Der Stöckheimer See ist als Naturschutzgebiet
ausgewiesen worden.
An beiden Seen haben sich Fauna und
Flora prächtig entwickelt. Es gibt Ansiedlungen
von Kormoranen, Nil- und
Graugänsen sowie von Reiherenten. Liliengewächse
blühen dort, Schilfgürtelund standortgerechte Gehölze bildenden Uferbewuchs. Im interkommunalenZweckverband Stöckheimer Hof(Pulheim, Köln) wurde ein abgestuftesKonzept, um Naturschutz, Erholungund Freizeitaktivitäten zu vereinbaren,entwickelt. Entsprechend dieser Konzeptiondienen der Stöckheimer und derPescher See eher der stillen und wohnortnahenErholung – so sind hier auchkeine Parkplätze vorgesehen – und nurder Escher See ist als Badesee geplantund eingerichtet. Zu den notwendigenEinrichtungen zählen unter anderemToilettenanlagen, Abfallbehälter undAbfallentsorgung, regelmäßige Untersuchungder Wasserqualität, Beseitigungvon Gefahrenquellen am Strandund im Wasser, Aufsicht und Wasserrettung,Parkplatz. Bis vor einigen Jahrenwurde das Naturfreibad von derStadt Köln, später von der Bäder GmbHbetrieben. Aus Kostengründen (es wurdenkeine Eintrittsgelder erhoben) wurdeder mit Millionen öffentlicher Geldereingerichtete Badestrand geschlossen.Die Schließung ist juristisch nicht haltbar,deshalb mussten neue Betreibermodellegesucht werden. Dies führtnun dazu, dass das Naturfreibad aneinen Privatinvestor verpachtet werdensoll. Eine Übertragung ist nur möglich,wenn der Landschafts- und Gewässerschutzin vollem Umfang gewährleistetwird. Der OV 6 hat immer die Positionvertreten, dass ein städtischer Badebetriebgegebenenfalls mit sozialverträglichenEintrittspreisen, die die Betriebskostendecken, die beste Lösung – auchkostenneutral – darstellen würde. Demkonnten die Ratsfraktion und die BäderGmbH nicht folgen, sodass wir eine privatenVerpachtung unter den strengenAufl agen des Landschafts- und Naturschutzesbefürworten, um durch dieKonzentration des Badebetriebes amEscher See die anderen Seen im Erholungsgebietzu entlasten. Eine offeneBadestelle hier oder an den anderenSeen im Kölner Norden – wie von derRatsfraktion intendiert – halten wiraus ökologischen, juristischen und planungsrechtlichenGründen weder kurz-noch langfristig für vertretbar!Conny Wittsack-Junge







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