Horst Thelen: Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger

Leserbrief zu Ihrem Kommentar „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ vom 3. Januar 2009

Schon der Einstieg in den Kommentar ist analytisch gesehen ein Ärgernis: Da werden die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer undifferenziert gleichgestellt, so als ob ein rücksichtsloser Fußgänger bzw. Radfahrer einem rücksichtslosen Autofahrer gliche. Der „kleine“ Unterschied besteht aber darin, dass ihm Zweifelsfalle die einen tot oder verletzt sind, während denen in den Blechgeschossen meistens nichts passiert. Während Karl Marx seinen berühmten Satz „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ aufgrund einer umfangreichen historisch-systematischen Analyse des seine Lebensbedingungen produzierenden Menschen formulierte, benutzt unser Autor diesen aufgrund einer oberflächlichen Sicht auf die jeweilige Rolle im Verkehr. Aber unser Kommentator kennt keinen Halt: Wie ein roter Faden durchzieht undifferenzierte, oberflächliche Einseitigkeit den Text, der es auf die erste Seite geschafft hat. Wieder werden die zu Fuß gehenden oder Rad fahrenden Rotsünder bemüht, so als ob ein wohlüberlegter Ampelverstoß irgendetwas mit einer Verkehrsgefährdung zu tun hätte. Straßenzuschnitt und Verkehrsregeln sind immer noch abgestellt auf den motorisierten Kraftfahrzeugverkehr, dienen seiner Beschleunigung. In diesem Umstand steckt eine starke strukturelle Gefährdung der Verkehrsteilnehmer, die individuelle steckt in der Mentalität der Rechthaberei. Ich habe grün, die Straße ist mein, also gebe ich Gas, egal ob jemand gefährdet wird.

Horst Thelen
Auerstraße 4
50733 Köln