Fragen der BV6-Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen Köln-Nord zu dem Großbrand bei Ineos in Worringen am 17.03.08:


In der Bevölkerung gibt es unterschiedliche Darstellungen zum Ablauf des Großbrandes bei Ineos am 17.03.08. Festzustellen ist jedoch, dass die Information der Bevölkerung nicht optimal gelungen ist. Beklagt wurden vor allem unzureichende oder verspätete Mitteilungen etwa über Schadstoffe, ihre Konzentration und Gefährlichkeit.

Um hier ein klares Bild des Geschehens nach der Entdeckung des Brandes zu vermitteln, bedarf es einer minutiösen und geschlossenen Darstellung des gesamten Ablaufes, der Zuständigkeiten, der Maßnahmen während des Brandes und auch danach, der möglichen Schadstoffbelastungen und Gesundheitsgefährdungen sowie der Sicherheitsvorkehrungen und der Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung.

Hinsichtlich der Anlagen der Fa. Ineos und der Pipelines, die im Bezirk verlaufen, gibt es ebenfalls Aufklärungsbedarf.

Wir erwarten, dass die Fragen, die natürlich je nach Stand der Information und Erkenntnisse ergänzt werden könnten, umfassend und zeitnah beantwortet werden. Etliche Fragen wurden ansatzweise in der Presse beantwortet; wir haben sie hier noch einmal aufgenommen, um ein vollständiges Gesamtbild zu erhalten.


  1. Wie gestaltete sich der konkrete Ablauf des Schadensereignisses?

  2. Wie sind/ waren die Zuständigkeiten für den Schadensfall geregelt bezogen auf die Genehmigung und die Kontrolle der Anlagen und der Produktion der Fa. Ineos im Vorfeld und auf konkrete Maßnahmen während des Brandes und im Anschluss daran (Alarmierung/ Information der Bevölkerung, Schadstoffmessung, Brandbekämpfung, Sicherheitsvorkehrungen, Evakuierung etc.)?

  3. Wer koordinierte den gesamten Einsatz?

  4. Wie funktionierte die interne Kommunikation zwischen den verschiedenen Organisationen der Einsatzkräfte und/oder der Einsatzleitung (z.B. der BF Köln und der Einsatzleitung Dormagener Feuerwehr oder der Polizei)?

  5. Gab es einen klaren, jederzeit abrufbaren Störfallplan, der die jeweiligen Kompetenzen eindeutig geregelt hatte? Gab es einen klaren Plan, wie die Bevölkerung informiert und gewarnt werden sollte? Wer war verantwortlich für die Information der AnwohnerInnen? Welche Schritte wurden im einzelnen unternommen? Wann erfolgte der Sirenenalarm? Wie wurde die nichtdeutschsprachige Bevölkerung über die Gefahrensituation und die damit evtl. verbundene Gesundheitsgefährdung informiert?

Hintergrund dieser Frage ist das Verladeunglück am Worringer Hafen vor

einigen Jahren. Die damals Verantwortlichen sicherten ein verbessertes

Sicherheitskonzept zu. Inwieweit war dies vorhanden bzw. konnte es

umgesetzt werden?

  1. Welche Maßnahmen neben dem Löschen des Brandes und dem Absichern des / der Tanks wurden im Umfeld des Firmengeländes im einzelnen durchgeführt? (z. B. Straßensperren)?

  2. Wie wurden die Sicherheitskräfte auf den Einsatz vorbereitet und vor evtl. Gesundheitsgefährdungen geschützt?

  3. Hätte es im Notfall genügend Intensivbetten in Kölner Krankenhäusern gegeben? Ist das Krankenhauspersonal hinreichend auf solche Schadensereignisse und deren gesundheitliche Problematiken vorbereitet?

  4. Bei welchen Einsatzkräften werden Gesundheitsprüfungen vorgenommen? Nach welchen Kriterien werden sie durchgeführt? Gibt es Unterschiede zwischen Kölner und auswärtigen etwa Dormagener Einsatzkräften?

  5. Was geschieht mit den eingesetzten Materialien wie etwa den Löschschläuchen oder der Kleidung der Einsatzkräfte? Sind diese wieder zu verwenden?

  6. Wo und wann wurden Schadstoffmessungen und Bodenproben vorgenommen? Liegen alle Ergebnisse vor? Welche Schadstoffe sind wirklich ausgetreten? Wie gefährlich sind sie? Welche Konzentrationen wurden gemessen?

  7. Ist geplant entsprechende Untersuchungen auch in anderen Stadtteilen vorzunehmen, da durch den Wind Schadstoffe, Rußpartikel, Löschschaumflocken auch in andere Bereiche transportiert worden sind? Löschschaumflocken gab es nach Anwohnerberichten auch in Merkenich und sogar auf der anderen Rheinseite!

  8. Sind Schadstoffbelastungen des Grundwassers insbesondere im Bereich des Wasserwerks Weiler zu erwarten? Wurde oder wird in den Wasserschutzzonen I und II auch gemessen?

  9. Gibt es gegebenenfalls Auswirkungen durch Schadstoffbelastungen auf die Landwirtschaft insbesondere den Bioanbau?

  10. Was geschah mit den Löschmitteln? Konnte das gesamte Löschwasser in einer werkseigenen Kläranlage aufgefangen werden? Welche Kapazität hat diese Kläranlage? Über welche Reinigungsstufen verfügt sie? Gibt es geeignete Reinigungsmechanismen für die hier angefallenen Schadstoffe, wenn ja: welche? In welchem Zeitraum wird das Löschwasser geklärt? Welcher Reinigungsgrad wird erreicht?

  11. Sind bereits Ursachen für die Undichtigkeit der Rohrleitung und den folgenden Brand bekannt? Wenn nein: Warum wurden bereits dort eingesetzte Arbeitskräfte als „Beschuldigte“ von der Kölner Staatsanwaltschaft vernommen?

  12. Welche Kosten entstehen durch dieses Brandereignis und den dadurch erforderlich gewordenen Maßnahmen? Wer trägt diese Kosten?

  13. Wie alt ist die betroffene Rohrleitung? Entspricht sie modernen Sicherheitsbestimmungen? Wurde sie regelmäßig kontrolliert und gewartet? Wann war der letzte Kontroll- bzw. Wartungstermin? In welcher Entfernung zur Unglücksstelle befand sich das nächste Absperrventil? Wie, wann und von wem wurde es bei dem Unfall geschlossen?

  14. Wer besitzt genaue Kenntnisse über den Verlauf sämtlicher Pipelines im Bezirk? Sind diese Kenntnisse im Schadensfall auch behördlich sofort abrufbar? Existiert ein einsehbares Kataster der Pipelines? Wenn ja: Wer verfügt darüber?

  15. Wie viele Pipelines führen zum Werksgelände von Ineos oder weg davon? Welches Alter und welchen Wartungsgrad haben diese Rohrleitungen? Welche Abstände haben die Schieber in den Rohrleitungen? Haben die Rohrleitungen eine Doppelummantelung zur Verbesserung der Sicherheit? Welche Maßnahmen zur Schadensprävention bei Rohrleitungen werden durchgeführt?

  16. Welche anderen gefährlichen Stoffe lagern noch auf dem Werksgelände von Ineos in den Tanks und Rohrleitungen? Welche Gefahren gehen von diesen Stoffen aus? Wie sind sie geschützt? Wie groß sind hier die Sicherheitsabstände zu weiteren explosionsgefährdeten Tanks und Rohrleitungen?

  17. Entsprechen die Anlagen der Fa. Ineos insgesamt noch modernen Sicherheitsbestimmungen oder besteht die Möglichkeit zusätzliche Sicherheit durch die Verwendung moderner Materialien, durch größere Sicherheitsabstände etwa zwischen den Tanks und den Pipelines (Dies wurde in der Sendung „Monitor am 03.04.08“ von Prof. Rochlitz von der Kommission für Anlagenschutz empfohlen.) und mit Abtrennungen in den Abstandsbereichen zu schaffen? Sind hier nur Minimalstandards eingehalten worden oder orientiert man sich an maximalen Sicherheitsstandards nach dem neuesten Stand der Technik? Sind ausreichend Arbeitskräfte – nach dem zuletzt erfolgten Arbeitsplatzabbau – im Sicherheitsbereich eingesetzt? Es geht nicht nur um die Frage, ob hier die juristischen Vorgaben der Störfallverordnung erfüllt worden sind, sondern darum, welche Anstrengungen seitens Ineos unternommen worden sind, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Allen AnwohnerInnen ist klar, dass es ein Restrisiko immer geben wird, es fragt sich nur in welcher Größenordnung, und ob die Sicherheit oder wirtschaftliches Gewinnstreben im Vordergrund der Bemühungen stehen.

  18. Welche Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit und der Information der BürgerInnen bei potentiellen zukünftigen „Störfällen“ werden prinzipiell von den beteiligten Institutionen/ Organisationen und der Fa. Ineos unterbreitet? Welche Konsequenzen werden für zukünftige Schadensereignisse gezogen?




Diese Fragen richten sich an die Fa. Ineos und an die beteiligten Behörden und Institutionen. Wir erhoffen eine zeitnahe Beantwortung.






Mit freundlichen Grüßen



C. Wittsack-Junge