Köln handelt grün – 14-Punkte-Plan
von Kerstin Ciba
Im Sommer 2007 ist Grün schick – davon
zeugen Ökodesigner-Labels, die
Nachfrage nach Hybridwagen, Biosupermärkte,
die wie Pilze aus dem Boden
schießen und – zur Freude auch
vieler Grüner – gar nicht mehr so aussehen
wie die guten alten Bioläden. Wir
könnten uns also freuen. Lebensqualität
und Klimaschutz passen endlich
zusammen und wir dürfen sogar mit
gutem Gewissen konsumieren. Dürfen
wir uns also freuen? Die Freude
wurde uns gegen Ende dieses grünen
Frühsommers doch noch getrübt – und
nicht nur durch die enttäuschenden
Ergebnisse eines hochkarätig besetzenden
Treffens am Mecklenburger
Ostseestrand. Als grüner Kooperationspartner
in Köln müssen wir uns damit
abfi nden, dass Toyota Anfang September
das Kölner Innenstadtpanorama für
ein Formel 1 Schaufahren nutzt. In der
Klimabilanz ist das wahrscheinlich gar
keine Katastrophe: Möglicherweise blasen
die Rennmaschinen an jenem Tag
nicht mehr klimaschädigendes Kohlendioxid
und gesundheitsschädlichen
Feinstaub in die Luft als die Pkw, die
sonst am gleichen Tag durch die Kölner
Innenstadt fahren würden. Deutlich
wird jedoch: Wir können uns in dieser
für uns hochsymbolischen Frage nicht
auf unseren Kooperationspartner SPD
verlassen. Auch das gesellschaftliche
Leitbild in unserer Stadt ist noch recht
weit von unserem Ideal nachhaltiger
Lebensqualität entfernt.
Was also tun? Ohne Zweifel gilt es, dicke
Bretter zu bohren und klare politische
Vorgaben für ein besseres Klima zu de-
fi nieren. Damit ist unsere Ratsfraktion
etwa mit dem Ringen um ein Platzkonzept
für die Innenstadt auf einem guten
Weg: In Zukunft sollen auf Kölner Plätzen
nur noch qualitativ hochwertige
Veranstaltungen stattfi nden.
Als Kreisverband haben mit unserem
14-Punkte-Programm, das wir auf der
Mitgliederversammlung am 5. Mai
verabschiedet haben, einen Anfang gemacht
(siehe Kasten). In den kommenden
Monaten werden wir gemeinsam
mit der Ratsfraktion die konkrete Umsetzung
unserer Beschlüsse ins Auge
fassen. Dabei wird es auch grünintern
einigen Diskussionsstoff geben, etwa
wenn es darum geht, zu prüfen, ob die
City-Maut tatsächlich ein geeignetes
verkehrspolitisches Instrument für unsere
grünen Ziele ist.
Das eine tun heißt nicht, das andere zu
lassen. Mit Veranstaltungen und Straßenständen
haben wir in der ersten
Jahreshälfte das Thema Klimaschutz in
die Öffentlichkeit getragen und auch
kontrovers diskutiert. Viele Grüne haben
sich dabei engagiert. Auch in den
kommenden Monaten werden wir
weiter für einen nachhaltigen Lebensstil
werben. Dazu werden ganz sicher
unsere neuen Arbeitskreise Konsum
und Ökologie mit viel Fachwissen und
Engagement beitragen. Auch in der
spätsommerlichen Mitgliederwerbekampagne
„Mitstreiten“ werden wir
das Thema Klima aufgreifen – und mit
unserer Idee urbaner Lebensqualität
für die Mitgliedschaft bei den Grünen
werben. Inhaltlich stehen uns dabei
– wie bereits bei den vergangenen Veranstaltungen
von „Köln handelt grün“
– auch kontroverse Debatten bevor: Wie
wollen wir es tatsächlich mit dem Konsum
halten? Können diejenigen von
uns, die gerne fl iegen, ihre Klimasünden
mit einer Zahlung an „atmosfair“
kompensieren? Wie weit können unsere
Wünsche nach Mobilität mit dem
Umwelt- und Klimaschutz in Einklang
bringen? Kurz: Wie konfl iktfrei können
wir konsumieren?
www.koeln-handelt-gruen.de
14 Punkte für gutes Klima in Köln
Kommunale Energiewirtschaft
1. Rheinenergie: Verzicht auf den Bau eines Kohlekraftwerks; Verzicht
auf Atomstrom; Anteil des Braunkohlenstroms schrittweise
senken und von Gasimporten unabhängiger werden; Angebot für
den Bezug von Ökostrom offensiver bewerben
2. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) höchste Priorität einräumen; Nutzung
des Kölner Fernwärmenetzes; Nutzung dezentraler Blockheizkraftwerke
fördern
3. Erschließung der geothermischen Energie durch kommunale
Energiewirtschaft im Versorgungsgebiet
Städtische Liegenschaften
4. Erwerber städtischer Baugrundstücke zum Bau von Passivhäusern
verpfl ichten und
5. über Fördermöglichkeiten kommunale Neubauten als Passivhäuser
errichten; gilt auch für Gebäude in öffentlich-private Partnerschaften
6. Strom für Gebäude der Stadt und der städtischen Gesellschaften
zu je mindestens 25% aus erneuerbaren Energiequellen und aus
Kraft-Wärme-Kopplung beziehen
Verkehr
7. Kernruhezeit für Flughafen Köln-Bonn
8. Autoverkehr in der Innenstadt deutlich reduzieren. Maßnahmen:
Verknappung und Verteuerung des innerstädtischen Parkraums,
Reduzierung ebenerdiger öffentlicher Parkplätze, Parkraum in
Parkhäusern verteuern, roß dimensionierte Zufahrten zur Innenstadt
müssen vermieden werden (also: Ausbau der Bonner
Straße zweispurig statt vierspurig), City-Maut ist eine ernsthafte
Option zur Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt
9. Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehr aus den Einnahmen
aus Parkraumabgabe oder Maut; Vordringlich sind
Anschluss von Ossendorf, Zündorf-Süd und des Görlinger Zentrums
an das Stadtbahnnetz und eine Uni-Buslinie über die Innere
Kanalstraße
10. Anlegung von Radstreifen, Fahrradstraßen und Velorouten deutlich
intensivieren
11. Fahrradstationen an allen Bahnhöfen, an denen Regionalexpress-
Züge halten (neben dem Hauptbahnhof sind dies Messe/
Deutz, Mülheim, Porz, Ehrenfeld und Köln-Süd)
Bauleitplanung
12. ökologischen Ausgleich für Eingriffe in Natur und Landschaft bei
Bebauungsplänen in der Regel zu 100% festsetzten
13. weitere Konzentrationszone für Windenergieanlagen festsetzten
– und zwar dort, wo auch Wind bläst
14. städtebauliche Planungen nach Kriterien der Solarenergienutzung
optimieren; gilt auch für städtebauliche Wettbewerbe







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