Netzwerk türkeistämmiger Mandatsträger/innen verurteilt den Mord an Hrant Dink

PRESSEMITTEILUNG

Bonn, 24. Januar 2007

Am 19. Januar 2007 wurde der Autor und Herausgeber der Armenisch-Türkischen Wochenzeitung AGOS, Hrant Dink, Opfer eines Mordanschlags. Er wurde auf offener Straße, am hellichten Tag, im Herzen von Istanbul vor dem Redaktionsgebäude seiner Zeitung regelrecht hingerichtet. Alle, die eine offene, freie, moderne, ethnisch und religiös plurale Türkei nicht haben wollen, tragen Mitverantwortung für diese schreckliche Tat. Dieser Mord richtet sich auch gegen alle, die sich seit Jahren für Menschenrechte, Minderheitenrechte, Meinungsfreiheit und kulturelle Vielfalt in diesem Land einsetzen. Der Mord an Hrant Dink war auch ein Anschlag auf alle demokratischen Stimmen und die Meinungsfreiheit. Wir als Netzwerk türkeistämmiger Mandatsträger in Deutschland verurteilen diese Tat zutiefst.

Dink erhielt Morddrohungen und wusste, dass sein Leben bedroht ist und dennoch hat er unbeirrt und aufrichtig weiter gekämpft. Es war sein Glaube an die Menschlichkeit in seinem Land, der ihn ermutigte. In seiner letzten Kolumne schrieb Dink, dass er sich wie eine Taube fühle, die etwas verängstigt aber auch mutig, hoffnungsvoll im eigenen Land für Frieden umherfliegt, immer öfter sich nach allen Seiten, nach den lauernden Gefahren umschaut. Doch, so sein Schluss, würden Tauben zwar immer wieder fortgejagt, aber man tue ihnen ja doch nichts an. Er und wir wurden am vergangenen Freitag eines besseren belehrt. Wir haben einen aufrechten Freund, und mutigen Journalisten verloren und sind bestürzt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Mitarbeitern und Freunden.

Alle, die seit mehr als einem Jahr systematisch eine Hetzkampagne gegen ihn geführt haben, die eine nationalistisch-rassistische Stimmung im Land geschürt haben, die den Paragraphen 301 nicht abgeschafft haben, alle, die ihn zum angeblichen Türkenhasser und damit zur Zielscheibe erklärt haben, tragen Verantwortung für diese schreckliche Tat. Ein 17 jähriger Jugendlicher ist gefasst und hat die Tat gestanden. Doch er hat offensichtlich genug gesellschaftlichen Rückenwind verspürt. Hetzkampagnen sind in einer offenen demokratischen Gesellschaft nicht zu akzeptieren und müssen von allen geächtet werden.

Dieser Mord ist ein rassistisch motivierter, politischer Mord. Denn Hrant Dink ist gestorben, weil er anders dachte als die anderen, weil er ein mutiger, unbequemer Demokrat und ein Armenier war.

Es gab nur einen Hrant Dink, aber der Traum von einer anderen anständigen, nicht-nationalistischen, sondern multikulturellen Türkei lebt weiter und wir wollen ihn weitertragen.

Wir fordern alle Verantwortlichen in der Türkei auf, die nationalistische Hetze gegen alle Minderheiten zu beenden.

Für das Bündnis der türkeistämmigen Politiker/innen in Deutschland nimmt an der Beerdigung Mürvet Öztürk (Kreistagsabgeordnete im Lahn-Dill-Kreis, Bündnis 90/Die Grünen) teil und erweist Hrant Dink die letzte Ehre.

Mehr Informationen zu dem von der Körber-Stiftung, Hamburg und der Stiftung MITARBEIT, Bonn koordinierten Netzwerk finden Sie unter http://www.mitarbeit.de.