Naturstrom & Co und energreen von Rheinenergie ist beides besser als Nichtstun

Nach Diana Sieberts Leserbrief muss ich mich fragen, wozu das Projekt "Stromwechsel" nun eigentlich dienen soll. Geht es nun darum, unseren Nachkommen ein Leben im halbwegs erträglichen Klima und ohne Kohle- & Kernkraft zu ermöglichen? Oder geht es nur um das grüne Gewissen, das schöne Gefühl, "no Atom in my Home" zu beziehen?

Wenn ich mich entscheiden darf: mir geht es ganz klar um Ersteres. Für mich ist daher sowohl der Wechsel zu einem der vier genannten unabhängigen Ökostromanbieter als auch der Wechsel zum Ökostrom-Produkt "energreen" eine ökologisch vertretbare Handlungsweise. Aber ich muss Gerd Brust nicht in jeder Hinsicht, so doch in einigen Dingen Recht geben. So äußert Diana Siebert zu Recht die Befürchtung, auch Ökoenergie sei nicht so ökologisch, wenn z.B. Wälder für Biopflanzen gerodet werden. Gerade diese Gefahr erhöht sich aber, wenn man nur die Nachfrage nach grüner Energie erhöht (was dennoch löblich ist), ohne an das Angebot zu denken, und die ökologische Herkunft der Nachfrage auch nur durch den TÜV zertifizieren lässt. Durch den "energreen"-Anteil tut man hingegen etwas dafür, dass sich das Angebot an erneuerbarer Energie erhöht. Dieses wird (wie bei Naturstrom als einzigem der unabhängigen Anbieter, leider) durch das "Grüne Strom Label" zertifiziert. Dieses garantiert die Einhaltung seiner Kriterien, die z.T. strenger sind als die gesetzlichen Vorgaben. Bei Biomasse dürfen z.B. Erzeugung und Energiegewinnung nicht weit voneinander entfernt sein. Der ökologisch fragwürdige Import von Palmöl aus Tropenländern kann somit nicht gefördert werden.

Auch ich bin mit vielem nicht zufrieden, was die Rheinenergie AG betrifft. Auch ich will kein neues Kohlekraftwerk. Aber wie gesagt, es kann uns nicht um unser "gutes Gefühl" gehen, sondern um die Zukunft. Und da gilt: Es müssen alle überzeugt werden, nicht nur diejenigen, die sowieso schon überzeugt sind.

Und zu Sabine Müller: Der Energeen-Anteil ist keine "Spende", sondern Teil eines Vertrags. Dadurch wird die Rheinenergie gezwungen, in Erneuerbare Energien hier in Köln und Umgebung zu investieren. Jede/r energreen-KundIn leistet somit einen Beitrag, um klimaschädliche Energieerzeugung zurückzudrängen und Atomenergie überflüssig zu machen.

Deshalb sollten wir es als Grüne Köln den Rheinenergie-KundInnen freistellen, ob sie lieber zu Naturstrom & Co wechseln oder den energreen-Tarif wählen wollen.