Köln, den 10.08.2006

Gleichlautend:

Herrn Oberbürgermeister
Fritz Schramma
Historisches Rathaus

50667 Köln


Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates
hier: Weiterentwicklung der kommunalen Schul- und Bildungsverantwortung im Kontext des Modellvorhabens „Selbstständige/Eigenverantwortliche Schule“


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wir bitten Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung des Rates am 29. August 2006 zu setzen:

Beschluss:

In der zweiten Projekthälfte des Modells „Selbstständige Schule“ können Kommunen erweiterte Gestaltungsfreiräume vom Land eingeräumt werden.
Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Ausarbeitung eines Konzepts, welches Vorschläge zur Weiterentwicklung einer regionalen Bildungsträgerschaft in Köln enthält. Die Stadt Köln soll sich damit als Modellregion zu bewerben.

Mit ihrem großen Anteil an ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen und einem hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund steht eine Großstadt wie Köln vor besonderen Herausforderungen. Wir müssen stadtspezifische Antworten für eine Verbesserung der Chancengleichheit für unsere Kinder und Jugendlichen finden.
Eine bessere Abstimmung und Kooperation zwischen Schulen, Betrieben, Sozial- und Jugendbehörden erhöht die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen. Erstrebenswert ist ebenso, dass alle Familien, besonders auch Familien mit Migrationshintergrund, befähigt werden, ihre Kinder in ihrer Lernlaufbahn zu unterstützen.
Akteure und Kooperationspartner in einer regionalen Bildungslandschaft sind neben den im Mittelpunkt stehenden Kindern und Jugendlichen in der Region das Elternhaus, der Kindergarten, die Schulen, andere Bildungsträger, die Arbeitsagentur, die Kammern, die kommunale Jugendhilfe und Ausbildungsbetriebe.
Gemeinsames Ziel muss sein, jeder Bürgerin und jedem Bürger die bestmögliche Bildungslaufbahn zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere die Gestaltung der Übergänge (von Kita in die Grundschule, von der Grundschule in die weiterführende Schule, von der Schule in den Beruf). Kinder und Jugendliche sollen ihre Lernlaufbahnen ohne Brüche durchlaufen können.

Im Verlauf des Modellprojektes müssen folgende Fragen beantwortet werden:

• Welche konkreten Aufgaben können vom Land auf die Kommune übertragen werden?
• Wie müssen die neuen Unterstützungssysteme für die Bildungsträger aussehen, damit die Übergänge von Kita in die Grundschule, von der Grundschule in die weiterführende Schule, von der Schule in den Beruf ohne Brüche durchlaufen werden können?
• Welche Finanzierungsmodelle ermöglichen eine stärkere Mitgestaltung der Kommunen? Wie kann man gemeinsame Budgets aus Landes- und kommunalen Mitteln organisieren?
• Welche Formen regionaler Koordination und Steuerung werden gebraucht?

Die regionale Steuerung sollte über den Ausbau des „Regionalen Bildungsbüros“ erfolgen, welches eine vernetzte und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Bildungsträgern gewährleistet und zu dessen Handlungsfeldern die schulische Qualitätsentwicklung ebenso gehört wie die Initiierung von Maßnahmen einer systematischern Berufsvorbereitung und orientierung, die Bildungsarbeit mit Kindern beim Übergang von Kita zur Grundschule oder die berufliche und private Weiterbildung.

Begründung:

Die Notwendigkeit zur Entwicklung einer regionalen Bildungslandschaft ergibt sich aus dem Bemühen um die bestmöglichen Bildungs- und Ausbildungschancen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie zielt unmittelbar auf die Verbesserung von Lern- und Lebenschancen und verbindet Bildung wie Ausbildung mit der Idee des lebenslangen Lernens. Eine vernetzte und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit der Bildungsträger in einer Region trägt zur qualitativen Weiterentwicklung der einzelnen Institutionen bei.
Die systematische Verknüpfung der verschiedenen in der Region tätigen Bildungseinrichtungen erhöht auch die Qualität pädagogischer und kommunaler Dienstleistungen. Aufbauend auf einer breiten Kooperations- und Informationsstruktur schafft sie ausreichend Flexibilität, um das Bildungsangebot der Region an die Bedürfnisse seiner Bürgerinnen und Bürger anzupassen und weiterzuentwickeln.
Zentrales Ziel regionaler Bildungsverantwortung muss sein, für alle Kinder und Jugendliche optimale Lern- und Lebenschancen zu schaffen und damit in der Region auch einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensqualität und Standortsicherung zu leisten.
Ein regionales Bildungsbüro sollte nach dem Motto „In Verantwortlichkeiten statt in Zuständigkeiten denken“ die inhaltliche Entwicklung von Bildung und Ausbildung in der Region Köln bündeln, ein eigenständiges Profil entwickeln sowie als Dienstleistungs-, Entwicklungs- und Unterstützungsagentur mit Steuerungskompetenz auftreten.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Zimmermann                         Jörg Frank
SPD-Fraktionsgeschäftsführer         GRÜNE-Fraktionsgeschäftsführer
 

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