Gemeinsamer Antrag der CDU-Fraktion, der SPD-Fraktion, der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen und der FDP-Fraktion vom 02.11.2006
Verantwortliche Drogenpolitik in Humboldt-Gremberg
Beschluss:
Es ist eine gesicherte Erfahrung aus 15 Jahren Kölner Drogenpolitik, dass
niederschwellige Einrichtungen wie Kontaktcafes mit ärztlicher Beratung, offenen
Gesprächsangeboten und Spritzentausch notwendig sind. Diese Einrichtungen müssen
dort angesiedelt sein, wo die Drogenabhängigen erreichbar sind. Sie sind
gleichzeitig ein Instrument dafür, die Nutzerinnen und Nutzer zu stabilisieren
und in die Gesellschaft zu reintegrieren. Nicht gesellschaftskonformes Verhalten
wird dadurch oftmals minimiert.
Vor diesem Hintergrund beschließt der Ausschuss Umwelt, Gesundheit und Grün
1. Die Verwaltung wird beauftragt zu untersuchen, wie sich die Arbeit der
Kontaktstelle des Junkie-Bundes in den letzten Jahren angesichts der
beschriebenen Aufgabenstellung entwickelt hat.
Dabei ist auch zu prüfen, inwieweit der Ausbau der Öffnungszeiten, verbesserte
Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft und noch stärkere Aktivierung des Klientels
für öffentliche Belange erreicht werden kann. Die finanziellen Konsequenzen
erweiterter Aufgabenstellung sind darzustellen.
2. Der Ausschuss beauftragt die Verwaltung, für die Einrichtung eines
niederschwelligen Drogenhilfe- und Beratungsangebotes einen besser geeigneten
Standort zu suchen, der für die Drogenabhängigen des Stadtteils erreichbar ist,
um die bisherige Einrichtung in der Taunusstraße bald möglichst dorthin zu
verlagern. Die Einrichtung sollte finanziell so ausgestattet werden, dass die
bisherigen Öffnungszeiten und Angebote deutlich ausgeweitet werden können.
3. Die Arbeit der bereits tätigen Arbeitsgruppen in Humboldt-Gremberg, wie der
kriminalpräventive Rat und die Dialogrunde in Form einer Ordnungspartner-schaft
ist zu intensivieren. Die dort bereits erzielten und die künftigen Ergebnisse
sowohl im jugend- als auch im sozialpolitischen und im ordnungsrechtlichen
Bereich sind weiterhin umzusetzen, insbesondere auch mit dem Ziel:
• der Verzahnung und Intensivierung lokaler Präventionsarbeit (z.B.
Schulsozialarbeit, unterrichtlichen Aufklärung, der Möglichkeit des flexiblen
Einsatzes eines Ambulanzbusses
• durch die erhöhte Anwesenheit von Ordnungskräften im Viertel Straftaten im
öffentlichen Raum vorzubeugen und den Bürgern damit auch das Gefühl von
Sicherheit wiederzugeben
• den öffentlichen Drogenhandel und – konsum unter anderem durch die Verhängung
von Platzverboten etc. zu verhindern
• eventuellen Sichtschutz durch Rückschnitt von Gehölzen und ähnlichen Maßnahmen
zu entfernen, um den Drogenkonsum im öffentlichen Raum zu erschweren
• Eindämmung der Prostitution
• Bekämpfung von Eigentumsdelikten, insbesondere Einbruch und Diebstahl
• Bekämpfung der Belästigung und Bedrohung von Anwohnern
• Abbau von Gefährdungssituationen insbesondere von Kindern, wobei es vor allem
um die Verhinderung und Vermeidung des Herumliegens von Spritzen geht
• verstärkte Beobachtung von und ggf. Intervention gegen Kultur- und
Freizeitvereine, Kneipen, Internet-Cafes, die Raum für Kriminalität bieten
• stärkere Ausübung des Hausrechts durch KVB und DB und Schwerpunktkontrollen ,
um den Raum für Drogenhandel und Drogentourismus einzudämmen
• Verbesserung der Ausleuchtung des Kinderspielplatzes Taunusstraße
Die Bevölkerung ist in geeigneter Form von den Maßnahmen und über städtische und
polizeiliche AnsprechpartnerInnen zu unterrichten.
4. Analyse und Verbesserung der Wohn- und Wohnumfeldsituation
5. Die Verwaltung wird beauftragt, umgehend die Einrichtung eines
rechtsrheinischen Gesundheitsraumes/Drogenkonsumraumes an einem geeigneten
Standort zu prüfen. Der Gesundheitsraum/Drogenkonsumraum soll in eine
niederschwellige Einrichtung zur Drogenhilfe mit Beratung zum Ausstieg und der
Möglichkeit zur medizinischen Versorgung eingebettet werden. Die Erfahrungen mit
dem Betrieb des ersten Kölner Gesundheits-raumes/Drogenkonsumraumes am
Hauptbahnhof sind in die Planungen einzubeziehen.
Die haushaltsmäßigen Auswirkungen sind angesichts der Haushaltsplan-beratungen
kurzfristig darzustellen.
6. Die Verwaltung wird beauftragt, dem Ausschuss über das bestehende
gesamtstädtische Konzept zur Drogenhilfe und –prävention zu berichten und
darzulegen, ob sich angesichts der aktuellen Problemlage in Humboldt/Gremberg
Handlungsbedarf ergibt.