Pressemitteilung


Demagogisches Sommerloch-Geplänkel

Die Schwierigkeiten um die Verpachtung des "Parkcafes", einer denkmalgeschützten städtischen Immobilie im Kölner Rheinpark, nahm der Kölner Stadtanzeiger (KStA) am 4.8. zum Anlass, Mutmaßungen anzustellen und den haltlosen Vorwurf von CDU-Fraktionsgeschäftsführer Josef Müller ungeprüft zu verbreiten, wonach GRÜNE angeblich in einem Grundstücks-Klüngel zugunsten eines Bewerbers verwickelt wären. KStA-Redakteur Andreas Damm war dies sogar im KStA einen Kommentar wert, in dem er der CDU mit der Behauptung sekundierte, die grüne Ratsfraktion verstosse gegen den im grünen Kommunalwahlprogramm postulierten Transparenzgrundsatz in Liegenschaftsfragen. (siehe auch http://www.ksta.de/html/artikel/1154434420730.shtml )

Nur wenige Tage vorher - am 1.8. - hatte die CDU-Fraktionsspitze eine Pressemitteilung verbreitet, in der dreist behauptet wurde, die GRÜNE-Fraktionsvorsitzende Barbara Moritz wolle neue Schul-Dezernentin in Köln werden. Dabei hat sie sich weder beworben noch jemals Interesse an dieser Position bekundet. Im Gegenteil. Auch die CDU zitierte in Ihrer Pressemitteilung aus dem grünen Programm die Aussagen "Filz und Postenschacher zu bekämpfen" und sich für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Verfahren einzusetzen, gegen die nun die Ratsgrünen angeblich verstossen.
Alles Zufall? Wohl kaum.
Die nach über 25 Jahren erstmals in die Ratsopposion gedrängte konzeptlose und von internen Rivalitätskämpfen gebeutelte CDU-Spitze schlägt wild um sich und versucht mit einer auf Demagogie und Lügen aufgebauten Öffentlichkeitskampagne das rot-grüne "Kernbündnis" zu treffen. Schlimm genug. Kaum weniger schlimm ist, wenn sich eine als "unabhängig" begreifende Lokalzeitung zum Propagandisten einer solch durchsichtigen Kampagne macht.

Der Mühe gründlicher Recherche widmete sich hingegen der auf Medien- und Kulturwirtschaft spezialisierte Kölner Online-Branchendienst ComCologne:

 

Krach ums Parkcafe

1957 und 1971 war das Parkcafe im Rheinpark in Köln-Deutz gastronomisches Zentrum von Bundesgartenschauen. Danach lag das architektonische Kleinod meist im Dornröschenschlaf. Seit Herbst letzten Jahres hat der Kölner Rat die Wahl zwischen zwei Unternehmenskonzepten, mit denen das denkmalgeschützte Gebäude - per Erbbauvertrag - revitalisiert werden soll. Im Mai entschied er sich mehrheitlich für das Konzept „Club Solaire“. Die Kombination aus Restaurant, Lounge und Club soll nicht nur Rheinpark-Spaziergänger anlocken, sondern auch Kölner Kulturszenen als Veranstaltungsort dienen, u.a. als Location des Musikfestivals c/o pop. Das unterlegene Konzept der Kölner Qest Lifestyle GbR sieht dagegen auf der Event-Schiene ein buntes Allerlei vor. Zu besonderen Anlässen wie Karneval, Weltmeisterschaften und „Kölner Lichtern“ will man „Rheinparknächte“ kreieren. Mehrere Monate lang soll mit künstlichem Schnee sogar Alpenromantik erzeugt werden.

Trotz der Ratsentscheidung gibt es parteipolitischen Hickhack. Während SPD und Grüne am Club-Konzept festhalten, ist die CDU weiterhin auf Alpenschnee aus. Auch in der Kölner Stadtverwaltung wurde und wird unterschiedlich agiert. So lobt Manfred Post, beim Kulturamt angesiedelter Rockbeauftragter, die konzeptionelle Nähe des „Clubs Solaire“ zu elektronischer Musik, Kunst, Fotografie und Medienkunst. Das Amt für Liegenschaften dagegen will partout die zweite Bewerbergruppe noch zum Zuge kommen lassen. Die Auseinandersetzung zeigt, mit welch harten Bandagen um städtische Immobilien gekämpft wird – größtenteils hinter verschlossenen Türen. Zugleich geht es um Terraingewinne in der Veranstalter-Branche.

Der „Club Solaire“ ist das Projekt von Dietmar Koch, geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Braintrust Eventmarketing GmbH (Kernkompetenz: Marketing und Sponsoring im Getränkemarkt), Szenegastronomin Julia Nolden, Inhaberin der Festzelt Eventsolution GmbH, und dem Architekten Sebastian Retz, der das Parkcafe mit einer Glaskonstruktion einfassen will. Ihr Investor ist der Bergisch-Gladbacher Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Peter Servos, der im Herbst letzten Jahres die Suche nach Partnern begann. Glaubt man dem Kölner Stadtanzeiger, so hat Servos trotz mehrfacher Aufforderung bis heute weder die Namen weiterer Geldgeber noch eine Gesellschaft benannt, die den Vertrag mit der Kommune schließen könnte. Tatsächlich ist Servos selbst erbpachtberechtigt, und mit dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Ulrich Holschbach und Volker Heinen, Unternehmer aus Ratingen, sind die Namen seiner Partner dem Liegenschaftsausschuss bekannt. Tatsächlich auch hat das Liegenschaftsamt die Hürden für die „Club Solaire“-Investoren besonders hoch gelegt: obwohl die Investitionskosten für den Umbau des Parkcafes nur 2,3 Mio. Euro ausmachen, wurde von Servos eine Bankbürgschaft in Höhe von 3,5 Mio. Euro verlangt. Jedenfalls gewährte ihm der Ausschuss am 20. Juni eine abermalige Fristverlängerung, die Servos verstreichen ließ.

Prompt bekam der Investor Post vom Liegenschaftsamt: die Verhandlungen seien gescheitert, ein Vertragabschluss stehe nicht mehr zu erwarten. Stattdessen will das Amt Verhandlungen mit der zweiten Bewerbergruppe aufnehmen. Das widerspricht der Beschlusslage des Rates. Jörg Frank, Grünen-Ratsherr und Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses, findet das Vorgehen des Amtes in einem Schreiben an den Kölner Wirtschaftsdezernenten Norbert Walter Borjans (SPD) „außergewöhnlich anmaßend“. Bei einem Gesprächstermin bei Borjans kann Servos nun die strittigen Punkte klären.

CDU-Ratsherr Josef Müller, stellvertretender Vorsitzender des Liegenschafts-Aussschusses, sieht in dem Vorgang, wie er dem Stadtanzeiger mitteilte, „möglichen Klüngel“. Parallel zu diesem Verdacht wies das Blatt darauf hin, dass Solaire-Betreiber Koch für c/o Pop 2005 Getränke-Sponsoring aquiriert hat – eine von vielen Referenzen auf der Braintrust-Website. Zugleich wurde „enthüllt“, dass Stadtgarten-Programmchef Reiner Michalke, bis 2005 sachkundiger Bürger der Grünen im Kulturausschuss des Rates, Mitgesellschafter der c/o pop GmbH ist, die das gleichnamige Musikfestival veranstaltet. Auf der Website der c/o pop sind alle Gesellschafter aufgeführt. Von dieser Runde aus Musik-, Veranstaltungs- und Medien-Unternehmern erhoffte sich auch Köln-OB Fritz Schramma nach dem Abgang der Popkomm die Realisierung eines neuen hochkarätigen Kölner Musik-Events.

Noch unbeleuchtet ist die Zusammensetzung der zweiten Bewerbergemeinschaft. Hier wären die gelernte Hotelfachfrau und Incentive-Veranstalterin Alexandra Kreke und Dipl.-Ing. Roberto Campioni, bislang VIP-Betreuer und Betreiber eines Shuttle-Service, für ihre Qest Lifestyle erbpachtberechtigt. Weil die beiden Youngsters das Projekt Parkcafe allein kaum stemmen können, wollen sie auf das Know How der Bonner Eventgastro Management GmbH zurückgreifen, die u.a. das dortige Festival Rheinkultur mit Getränken versorgt. Verantwortlich für die Durchführung der größten Freiluft-Veranstaltung in der Nachbarstadt zeichnet Sabine Funk, zugleich Teilhaberin der Bonner Agentur BN*PD, die Qest mit einem professioneller formulierten Kulturkonzept aushalf. Für Qest war der Bonner Steuerberater H. E. Schmitz auf Investorensuche. Ob er fündig geworden ist, ist bislang nicht bekannt. Dem Vernehmen nach hat Qest Lifestyle weder der Verwaltung noch dem Liegenschaftsausschuss ein durch eine Bank abgesichertes Finanzierungskonzept vorgelegt.

Darüber hinaus steht Qest Lifestyle der Kölner Architekt Bruno Wasser als Berater und Projektentwickler zur Seite. Nach seinen Plänen wurde u.a. die alte Wasserburg Isenburg in Köln-Holweide restauriert. In Würdigung seiner Verdienste wurde Wasser Ehrensenator der KG Die Isenburger Köln-Holweide von 1974 e. V.. Aktuell baut er die Seniorenresidenz Schlosspark Stammheim. Dafür verkaufte ihm die Stadt im Sommer 2003 ein Grundstück. Es dauerte drei Jahre, bis die entsprechenden Verträge unter Dach und Fach waren. Wasser werden gute Kontakte zu CDU-Stadtrat Müller nachgesagt.Müller bestreitet das.

Info: Die Gesellschafter der c/o pop unter http://www.c-o-pop.de/index.17.html

ComCologne Branchendienst - 06.08.2006: www.comcologne.de


 

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