TAZ KÖLN Thema Politik - 08. November 2001
Das Ende einer Beziehung
Das schwarz-grüne Experiment im Kölner Rat ist wohl gescheitert. Restriktive Flüchtlingspolitik, GAG-Verkauf und Sparkurs sind die Streitpunkte. Heute wollen die Grünen Farbe bekennen
Von Frank Überall
Kölns Grüne ziehen in den Schmollwinkel. Das Aus für die schwarz-grüne
Zusammenarbeit scheint zum Greifen nah. Am heutigen Donnerstag will die
Ökopartei ihre kommunalpolitischen Perspektiven vorstellen. Im Rathaus geht man
längst davon aus, dass der gestaltende Einfluss dabei künftig begrenzt sein
wird.
Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz wollte dazu auf Anfrage nichts sagen.
Aber der angekündigte Sozial-Sparkurs des bisherigen Kooperationspartners -der
CDU - gefalle ihr naturgemäß wenig.
Auf der Regierungsbank hatten die Grünen ohnehin nie richtig Platz genommen.
Das vollmundige Angebot eines grünen Dezernentenpostens enttarnte sich als
Hinhaltetaktik, platzte schließlich wie eine Seifenblase. Ihr Katzentisch im
Dunst der Macht brachte den Grünen nur kurzfristige Erfolge. Spätestens Ende
Oktober hätten sie merken müssen, dass damit Schluss ist. Wie ein
FDP-Politiker der taz sagte, hatte Schwarz-Gelb damals bereits hinter
verschlossenen Türen beschlossen, die Grünen überhaupt nicht mehr an den
Etat-Beratungen zu beteiligen. Es sollte ein ganz und gar konservativ-liberaler
Haushalt werden.
Nun will die Ökopartei ihre Kehrtwende folgerichtig nachvollziehen. Das
demonstrative Schmollen ist verständlich. Schon lange hatte Schwarz-Gelb den
grünen Spielpartnern harte politische Nüsse zugemutet. So war der geplante
Verkauf der GAG-Aktien bei grünem Klientel kaum zu begründen. Partei und
Fraktion blieb nichts anderes übrig, als sich an die Spitze des
Bürgerbegehrens gegen diese Pläne zu setzen. Der schärfere Wind in der
Kölner Flüchtlingspolitik rührte ebenfalls an den freiheitlichen Wurzeln der
Bürgerrechtspartei. "Die schwarz-gelbe Koalition hat da einen Kurs
vorgelegt, als ob der Hamburger Schill ihr heimlicher Chef sei", schimpfte
der grüne Fraktions-Vize Jörg Frank.
Ein Übriges verrichtete der von CDU-Fraktionschef Rolf Bietmann angekündigte
Spar-Haushalt. Unisono mit SPD und PDS verkündeten die Grünen: "CDU und
FDP wollen das soziale Köln kippen." Und den grünen Kooperationspartner
wohl gleich mit.
Schon im Sommer hatten die Grünen eine vorläufige "Eiszeit"
gegenüber der CDU ausgerufen. Der Ärger über die Konservativen schaukelte
sich im öffentlichen GAG-Aktienstreit immer weiter hoch. Den Takt der
Auseinandersetzung aber gab Bietmann vor - in Pressekonferenzen, ohne mit den
vermeintlichen Partnern vorher die Themen zu beraten. Vielleicht wird man heute
das laute Knallen von Sektkorken bei der FDP hören. Die ist mit ihren vier
Politikern zwar deutlich kleiner als die Grünen-Fraktion, in Zukunft in der
städtischen Politik-Gestaltung aber wohl deutlich einflussreicher.