http://www.rundschau-online.de/
Kölnische Rundschau - 28.09.2002
Streit über Vergabepraxis - Tumulte wegen Rundschau-Artikel
Gereizte Stimmung im Rathaus
von HELMUT FRANGENBERG
"Es ist europaweit bekannt, dass Köln in Sachen Filz Spitze ist." Der grüne
Ratsherr Jörg Frank war nicht zimperlich in der Kritik an der städtischen Praxis
bei der Vergabe von Grundstücken, sprach von nicht nachvollziehbaren
Entscheidungsprozessen und einem Kölner "Netzwerk", das man als Käufer kennen
müsse, um an interessante Grundstücke zu kommen.
CDU und FDP wehrten sich mit ebenso deutlichen Worten. "Die Grünen werfen
Nebelkerzen", so CDU-Ratsherr Walter Grau. CDU-Fraktionschef Rolf Bietmann
sprach von einer "widerlichen Debatte", die das Ansehen der Politik beschädige.
"Je mehr Gift sie verspritzen, desto mehr Wählerstimmen erhoffen sie sich."
Bietmann forderte von den Grünen Beweise für die Vorwürfe. Frank nannte das
Stadthaus sowie die Pachtverträge für Ratskeller oder Flora. Fraktionschefin
Barbara Moritz kündigte an nachzulegen: "Wenn Sie wollen, nenne ich Ihnen die
Adressen."
Die Stimmung bei der Debatte im Stadtrat um mehr Transparenz bei städtischen
Grundstücksverkäufen war gereizt. Der Artikel in der
Rundschau vom 25.September über die Vergabe von Grundstücken für
Einfamilienhäuser sorgte zeitweise für regelrechte Tumulte, die darin gipfelten,
dass SPD-Fraktionschef Martin Börschel den Oberbürgermeister "Inquisitor"
schimpfte.
Fritz Schramma hatte die in dem Rundschau-Artikel zitierten Ratsherrn
aufgefordert, sich öffentlich zu ihren Zitaten zu erklären. Vor allem der
Vorsitzende des Liegenschaftsausschusses, Johannes Waschek von der SPD, und
Frank mussten sich harte Kritik anhören, weil sie die Einflussnahme der Parteien
auf die Grundstücksvergaben eingeräumt hatten.
CDU und FDP warfen vor allem Frank - selbst Mitglied des
Liegenschaftsausschusses - vor, die Rundschau zu Wahlkampfzwecken mit Details
aus nicht-öffentlichen Sitzungen versorgt zu haben. (Anmerkung der Redaktion:
Tatsächlich sind alle in dem Artikel zitierten Personen im Rahmen einer eigenen
Recherche vom Autor des Artikels befragt worden und haben sich nicht von sich
aus mit der Redaktion in Verbindung gesetzt.)
Die Liegenschaftsentscheidungen müssten raus aus dem Verdacht von Manipulationen
und Geheimniskrämerei, forderten SPD und Grüne. "Das ist präventive
Korruptionsbekämpfung", so Waschek. In einem von der SPD unterstützten
Antrag hatten die Grünen
gefordert, durch klare Regeln und öffentliche Ausschreibungen die
Chancengleichheit bei der Vergabe von Grundstücken zu garantieren. Die erfolgten
Verkäufe Grundstücksveräußerungensollten unter Nennung der "vollständigen
Konditionen" regelmäßig veröffentlicht werden. Mit den Stimmen von CDU und FDP
wurde der Antrag in den Liegenschaftsausschuss verwiesen, wo die Diskussion
fortgesetzt werden soll.