vom 20.12.02



Köln: Stadtrat kippt überraschend Verkauf von Wohnungs-Aktien
Bietmann forderte zweite Abstimmung – Börschel daraufhin seinen Rücktritt


Von CHRIS MERTING und ROBERT BAUMANNS


Köln – Riesen-Sensation im Rathaus: Der Verkauf von 42.000
städtischen GAG-Wohnungen ist in allerletzter Minute geplatzt. Der Rat kippte mit nur einer Stimme Mehrheit am Donnerstagabend überraschend den Deal, der 420 Millionen Euro in die Stadtkasse einspülen sollte.

CDU-Fraktionsboss Prof. Rolf Bietmann war fassungslos. Drei Abweichler in der CDU sorgten für diese Sensation. Sie votierten in der geheimen Abstimmung gegen den Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft an Terra Capital Partners.

Die Grünen und die Sozialdemokraten jubelten. Damit hatten sie nicht gerechnet. Bei der Ratsitzung fehlten sogar zwei Genossen. SPD-Fraktionschef Martin Börschel: „Das ist ein Sieg der Kölner über die Arroganz der Macht.“

Drei Abweichler in der CDU. Auch Oberbürgermeister Fritz Schramma war total überrascht: „Ich mache mir jetzt Sorgen um den Haushalt von Köln.“ Die Stadt hat 300 Mio € von den Einnahmen bereits fest für 2003 verplant. Niemand weiß jetzt, wie es weitergehen soll. Mit der aktuellen Finanzkrise beschäftigt sich der Rat am 13. Januar in einer Sondersitzung.

Schramma wertet die Gegenstimmen aus den eigenen Reihen als „eindeutigen Schlag gegen die Fraktionsspitze“. Bietmann habe den Mio-Deal zur Chefsache erklärt und scheiterte. Nach der „Klatsche“ verlangte er von OB Schramma, eine Sondersitzung des Rates einzuberufen, damit bald nochmals abgestimmt werden könne. Grüne und SPD waren empört. SPD-Boss Börschel forderte daraufhin den Rücktritt Bietmanns. Ein Thema, was sicherlich jetzt erstmal in der CDU heiß diskutiert werden wird.

 

<<< Zurück