Süddeutsche Zeitung vom 20.01.03
CDU und Grüne verhandeln
Kölner Koalitionsgespräche von landesweitem Interesse
Köln – CDU und Grüne haben am Sonntagabend Verhandlungen
zur Bildung einer Koalition im Kölner Rathaus aufgenommen. Zunächst wollten
beide Seiten eine Lösung für den umstrittenen Verkauf oder die
Teilprivatisierung eines Großteils der städtischen Wohnungen anstreben. Auf die
Einnahmen dadurch in Höhe von 450 Millionen Euro ist die Stadt angewiesen, um
das Haushaltsdefizit schließen zu können. Die bisher im Rat regierende CDU/FDP-
Koalition hatte zweimal keine Mehrheit für das Geschäft erhalten. Daraufhin
hatten die Liberalen die Zusammenarbeit mit den Christdemokraten aufgekündigt.
Begleitet wurde der Verhandlungsauftakt von Spekulationen über ein schwarz-
grünes Bündnis auch auf Landesebene. CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers erklärte,
Köln brauche stabile Verhältnisse. Darüber hinaus wäre eine solche Koalition ein
politisches Ereignis. Bauminister Michael Vesper (Grüne) sieht im Kölner Modell
kein Vorbild für die Landesebene. Es sei nicht erkennbar, dass die CDU wirklich
auf die Grünen zugehe. Allerdings räumte der Grünen- Politiker ein, dass sich
durch eine Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien in Köln etwas verändere.
In der Domstadt gibt es bereits schwarz-grüne Erfahrungen. Nach der Kommunalwahl
1999 hatten beide Parteien eine Kooperation schriftlich fixiert. Diese hatten
die Grünen vor einem Jahr wegen der Privatisierung städtischer Wohnungen
aufgekündigt. Wie es hieß, wolle die CDU auf Alternativvorschläge der Grünen
eingehen. Erst wenn alle inhaltlichen Fragen geklärt seien, solle über
Personalien gesprochen werden. Als wahrscheinlich gilt, dass die Grünen einen
Dezernatsposten erhalten.
hjh
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