Kölner Stadt-Anzeiger vom 21.01.03

Barbara Moritz: Eine Frau, für die die Pflicht Kür ist

VON PETER BERGER, 08:40h

Viel Zeit bleibt nicht, den Erfolg zu genießen. Da müssen ein grüner Blazer in Kombination mit einer schwarzen Bluse reichen. Dazu gesellen sich ein leichtes Siegerlächeln und die für ihre Verhältnisse sehr diplomatische Aussage, „dass unsere Ausgangsposition für die Verhandlungen sicherlich günstig war.“ Kölns grüne Fraktionschefin Barbara Moritz gibt sich am Tag nach dem Auftakt der Koalitionsgespräche mit der CDU versöhnlich. Dabei scheint unstrittig, wer den Verhandlungen zur Bildung einer schwarz-grünen Stadtregierung den Stempel aufgedrückt hat. Die Privatisierung der städtischen Wohnungsgesellschaften ist endgültig vom Tisch, doch der 51-Jährigen geht es jetzt darum, die „weiteren schwierigen Gespräche“ über das Schließen des 550 Millionen-Euro-Lochs im Haushalt nicht durch Triumphgeheul zu belasten.

„Ich bin jemand, der schnell sagt, was ihm stinkt“, sagt Barbara Moritz über sich, „dabei bin ich aber überhaupt nicht nachtragend.“ Als kühl, kantig und konsequent gilt die Hauptschullehrerin aus der Südstadt, die im Februar 2000 den Fraktionsvorsitz von Anne Lütkes - jetzt Justizministerin in Schleswig- Holstein - übernahm, bei ihren politischen Freunden. Denen muss sie nun begreiflich machen, dass die Grünen weg davon wollen, „nur ihr Klientel zu bedienen. Sie wollen in die Pflicht gehen.“

Wobei die Pflicht nach 19 Jahren, die die Grünen im Stadtrat vertreten sind, für ihre Fraktionschefin zugleich auch Kür ist. Für Moritz ist endlich der Punkt gekommen, an dem es zu Mehrheiten reicht, mit den Grünen die Stadt zu gestalten, auch wenn der finanzielle Spielraum stark eingeschränkt sein wird. „Wir haben ein Interesse daran, den Haushalt in den Griff zu kriegen, damit wir die Gewinne ab 2007 wieder reinvestieren können.“ Man habe sich nicht zu Schwarz-Grün entschieden, „nur weil wir auch mal mitmachen wollen“. Die Koalition sei kein Selbstzweck, sondern eine Zweckgemeinschaft auf Zeit. Man werde sich von der CDU nicht vereinnahmen lassen, das Gerede von einem Modell für Düsseldorf oder gar für Berlin sei schlicht „Quatsch“. Es werde schon „hart genug“, den Kölner Grünen das notwendige Sparpaket zu verkaufen. Man werde nicht aus jeder Verhandlungsrunde als Sieger hervor gehen, aber versuchen, bei den Einschnitten „gerecht“ vorzugehen und alle Einsparungen offen zu legen.

Wenn das gelungen ist, kann sich die grüne Fraktionschefin wieder mehr ihrem Lieblingsthema Stadtentwicklung widmen. In Zeiten knapper Kassen sollte man wenigstens frühzeitig Visionen entwickeln, glaubt sie. Das wandelnde Gesicht Kölns hat sie schon immer interessiert, in den 70er Jahren bei der Bürgerinitiative Südliche Altstadt und heute als stellvertretende Vorsitzende für Stadtentwicklung. Womit auch klar wäre, welches Dezernat die Grünen am liebsten für sich beanspruchen würden. Doch da kommt die Einsicht, dass die Grünen im neuen Rats-Bündnis der kleinere Partner sind. „Das werden wir wohl nicht durchdrücken.“

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