04.02.04

Tupfer in der Farbenlehre

Schwarz-Grün in Köln feiert in aller Stille Einjähriges - Freude an Nachahmung ist kaum vorhanden.

KÖLN. Ob ein neuer Wolkenkratzer den Blick auf den Dom verstellt oder ob die Vergnügungssteuer Weltstars von Kölner Bühnen fern hält - solche Fragen machen überregional kaum Schlagzeilen. Und doch stoßen die Stadtpolitiker, die sich mit diesen Themen befassen, auch außerhalb der rheinischen Metropole auf einiges Interesse. Der Grund ist die erste schwarz-grüne Koalition in einer Millionenstadt, die vor einem Jahr am 4. Februar 2003 in Köln geschlossen wurde. Seitdem fragen sich viele, ob das, was in der Domstadt funktioniert, nicht auch auf Landes- oder Bundesebene ausstrahlen könnte.

Gezielte Komplimente

"Wenn sich die Grünen weiter so verändern wie in den letzten Monaten, dann kann ich mir das auf Dauer vorstellen", sagte zum Beispiel CDU- Generalsekretär Laurenz Meyer; sprach über Köln und meinte die Länder-Ebene. NRW- Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) fielen in ihrer Partei schon einzelne Kräfte auf, die Chancen für den Machtwechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Grün bei der NRW- Landtagswahl im Mai 2005 ausloteten. Die schwarz-grünen Spekulationen wurden so laut, dass grüne Spitzenpolitiker ihnen erst einmal eine Absage erteilten. Die Koalition von CDU und Grünen in Köln sei eine kommunalpolitische Entscheidung und habe "keine Modellfunktion", musste etwa Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, klarstellen.

Auch der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sieht die Koalition nicht als Vorreiter einer neuen politischen Farbenlehre - unabhängig davon, dass es schon nach der Zahlen- und Prozentlehre knapp werden könnte. "Koalitionen haben meines Erachtens nie Modellcharakter." Sie seien von Personen und Konstellationen abhängig. Vor allem gehe es bei der Stadtpolitik weder um außenpolitische Fragen noch um den Umbau des Sozialstaats. "Deshalb ist es auf dieser Ebene leichter, sich von Ideologien zu lösen und an der Sache orientiert zu arbeiten."

Als direkt gewählter Oberbürgermeister war und ist Schramma keineswegs ein Protagonist der Koalition. Die Fraktionschefs Barbara Moritz (Grüne) und Karl Jürgen Klipper (CDU) managen das Bündnis, das vom damals mächtigen, inzwischen aber umstrittenen CDU- Primus Rolf Bietmann eingefädelt wurde. "Es war eine äußerst konstruktive Zusammenarbeit", zieht Klipper Bilanz. "In der Gesamtbetrachtung würde ich sagen: Eher positiv", formuliert Moritz. Die Vernunftehe verändert beide Partner: "Die CDU lernt von uns", meint Moritz, "die gewöhnen sich an, Dinge zu hinterfragen." Auch die Grünen hätten dazugelernt, sagt Klipper: "Wenn man Verantwortung übernommen hat, muss man eine konstruktive und praktische Politik betreiben."

Ein Beispiel für einen behutsamen Umgang miteinander ist das Fiasko mit der Vergnügungssteuer. Als Konzertveranstalter drohten, in Nachbarstädte auszuweichen, machten CDU und Grüne schon wenige Wochen nach Einführung der Steuer einen Rückzieher - gemeinsam und ohne lautstarke gegenseitige Schuldzuweisungen. "Wenn der eine versucht, sich auf Kosten des anderen zu profilieren, verlieren beide. Wir müssen zusammen erfolgreich sein", sagt Moritz. Vielen Grünen fällt das mit Blick auf vermeintliche Alleingänge Schrammas aber nicht leicht.

Neuauflage erwünscht

Zum Beispiel engagierte er kurzerhand den ehemaligen Philharmonie- Chef Franz Xaver Ohnesorg, damit der für die Bewerbung Kölns als Kulturhauptstadt Europas 2010 trommelt. Schramma hat wenig Angst davor, dass bei solchen Gelegenheiten der schwarz-grüne Haussegen schief hängt. Denn er ist vom Volk gewählt und bleibt noch mindestens fünf Jahre im Amt, ob die Koalition nun hält oder nicht - auch das ist ein Unterschied zur Landes- und Bundespolitik. Schramma lässt aber keinen Zweifel daran, dass er den Fortbestand von Schwarz-Grün in Köln begrüßen würde. Und auch Klipper und Moritz sehen gute Chancen, die Partnerschaft nach der Kommunalwahl fortzuführen. (dpa) 02.02.2004 JÜRGEN HEIN

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