FÜR EINE RASSISMUSKRITISCHE PARTEIARBEIT: WIR MACHEN EINEN ANFANG

Kreisverband
Veröffentlicht am: 26. April 2021

Antrag der Kreismitgliederversammlung vom 26.04.2021

Der Kreisverband Köln der GRÜNEN führt für alle Mitglieder seiner Gremien
(Kreisvorstand, Ortsvorstände, Arbeitskreissprecher*innen) und für seine
Mitarbeitenden ein Antirassismustraining ein, welches die Zielgruppe innerhalb
ihrer Amtszeit bzw. innerhalb von zwei Jahren besuchen soll. Wir gehen als
Kreisverband Köln mit diesem ersten Schritt voran, um eine parteiinterne
rassismuskritische Sensibilisierung anzustoßen und eine Kultur der
Selbstreflektion zu fördern. Wir fordern zudem die Ratsfraktion und die
Bezirksvertretungsfraktionen auf, sich diesem Prozess anzuschließen und aus
ihren Mitteln ebenfalls ähnliche Trainings zu realisieren.

Bei den geplanten Trainings geht es in erster Linie darum, Menschen in
Verantwortungspositionen unseres Kreisverbandes rassismuskritische Fortbildungen
an die Hand zu geben und dadurch einen Prozess anzustoßen, unsere eigenen
Strukturen kritisch zu hinterfragen. Diese Öffnung bildet u.A. die Grundlage für
eine nachhaltigere Einbindung von Menschen mit Rassismuserfahrungen in die
Partei.

Wir wollen eine Kultur stärken, die Vielfalt wertschätzt und neue Menschen
willkommen heißt; die Interessierte empowert anstatt Hürden aufrecht erhält und
die rassismuskritische Selbstreflektion vorlebt. Dabei wollen wir intersektional
vorgehen und auch andere Machtebenen in der Auseinandersetzung nicht außen vor
lassen.

Die Trainings sollen in Kooperation mit qualifizierten externen Trainer*innen in
Workshopgröße stattfinden und min. den Umfang eines Tages haben. Um allen
Interessierten ein Angebot machen zu können, sollen die Trainings künftig
regelmäßig mehrmals im Jahr stattfinden.

„Das [Happyland] ist ein Bewusstseinszustand, in dem weiße Menschen glauben,
dass Rassismus ein Randthema sei, welches nichts mit ihnen selbst zu tun habe.
Sie denken, dass es reicht, sich eindeutig antirassistisch zu positionieren,
damit das Thema vom Tisch ist.
„Happyland“ sorgt dafür, dass Menschen Rassismus
reproduzieren, ohne dies wahrzunehmen. Sie sind sich nicht bewusst, Teil des
Problems zu sein und können deshalb auch nicht Teil der Lösung werden.“ – Tupoka
Ogette

Da die meisten von uns Rassismus nicht erfahren, nehmen wir ihn nicht wahr.
Unser Ziel ist es, das Thema in all unseren Gremien und Gruppen stärker zu
reflektieren und uns als Kreisverband aus dem „Happyland“ zu verabschieden.

Wir als Bündnis 90/Die GRÜNEN haben uns seit unserer Gründung stets gegen
jegliche Formen von Diskriminierung gestellt. Es wird Zeit, dass sich die
Vielfalt unserer Gesellschaft, die wir fördern und fordern auch in unseren
eigenen Strukturen widerspiegelt. Dies zu erreichen haben wir bislang versäumt.
Besonders für Parteien als Kernzellen unserer Demokratie ist es eine drängende
Herausforderung unseren demografischen Realitäten nachzukommen. Langfristig
wollen wir erreichen, dass diskriminierte Gruppen gemäß ihrem Anteil an der
Gesellschaft auf allen Ebenen unserer Partei repräsentiert sind, Vorurteile
abgebaut werden und wir einen diskriminierungssensiblen, rassismuskritischen
Umgang miteinander finden.

In dieser Hinsicht wurde im letzten Jahr mit den Beratungen und Beschlüssen der
AG Vielfalt auf Bundesebene ein wichtiger und überfälliger Prozess angestoßen,
der sich nun nach und nach auf die unteren Gliederungen unserer Partei zu
übertragen. Der Landesverband ist aktuell dabei, die Maßnahmen umzusetzen und
auch in unserem Kreisverband haben wir unter anderem mit der Gründung der Kom-
mig den Prozess am 29.06.2019 begonnen.

Denn gerade in einem Großstadt-KV wie unserem hat das Thema besonders große
Relevanz: über 40 Prozent der Kölner*innen haben einen Migrationshintergrund,
bei den unter 18jährigen sind es sogar knapp 60%. Es wird Zeit, dass auch unsere
kommunalpolitischen Gremien die Vielfalt der Kölner Stadtgesellschaft
widerspiegeln. Wir als GRÜNE Köln positionieren uns nicht nur politisch gegen
Diskriminierung, sondern handeln auch danach. Insbesondere die GRÜNE
Frauenquote, die seit Jahrzehnten den beschämend niedrigen Frauenanteil in den
Parlamenten und politischen Gremien hebt, zeigt: Es braucht einen kritischen
Blick auf Strukturen, Partizipationsmöglichkeiten und politische
Gepflogenheiten, um für viele Menschen der Ort ihres politischen Engagements zu
werden. Dies gilt parteiintern ebenso wie im Hinblick auf kommunalpolitische
Gremien.

Die Einführung von rassismuskritischen Workshops ist der erste Schritt um die
strukturellen Ursachen der Unterrepräsentation bestimmter Bevölkerungsgruppen
innerhalb der Partei anzugehen. Als Kreisverband Köln wollen wir deshalb bereits
jetzt tatkräftig voran gehen und diesen ersten Schritt vollziehen, um eine
parteiinterne Sensibilisierung anzustoßen und eine Kultur der Selbstreflektion
zu fördern.


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