Mahnmal zum NSU-Anschlag an der Keupstraße: Stadtverwaltung muss Gedenkort schnellstmöglich realisieren

Ratsfraktion
Veröffentlicht am: 09. Juni 2021

Morgen wird der Integrationsrat der Stadt Köln in einer Sondersitzung über die Pläne der Stadtverwaltung für ein Mahnmal an der Keupstraße in Köln-Mülheim beraten. Das soll an die Folgen des rechtsterroristischen NSU-Anschlags heute vor 17 Jahren erinnern, bei dem 22 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Auch die auf das Attentat folgende Verdächtigung der Betroffenen als Täter*innen wird darin thematisiert. Das Mahnmal soll Diskriminierung durch Rassismus und Rechtsextremismus nachfühlbar machen.

Ein 25 x 6 Meter großes Betonfundament wird das Herz des Mahnmals bilden. Dies stellt den Grundriss des Frisörsalons dar, vor dem die Täter am 9. Juni 2004 ihre Nagelbombe zündeten. Per Smartphone-App können Besucher*innen virtuelle „Wände“ aufrufen: beispielsweise Filme, die von Kunststudent*innen, Schüler*innen anliegender Schulen und Anwohner*innen der Keupstraße gedreht wurden. Das Mahnmal soll an der Ecke Keup- und Schanzenstraße entstehen und von der Stadt Köln betrieben und gepflegt werden. Es soll laut Verwaltung in drei bis vier Jahren realisiert sein.

Brigitta von Bülow, Bürgermeisterin und Kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Kölner Rat, sagt: „Wir Grüne haben uns immer dafür stark gemacht, dass in der Keupstraße, in Sichtachse zum Ort des Nagelbombenanschlags, dieses Mahnmal entsteht. Es wird zu einem Begegnungsort, der die Vergangenheit reflektiert, auf die Zukunft gerichtet ist und die Opfer ‚ins Recht setzt‘. Ich freue mich, dass nun, 7 Jahre nach den Beschlüssen von Integrationsrat und Kölner Rat und 17 Jahre nach den NSU Anschlägen in der Keupstraße, endlich der Weg frei ist zur Realisierung dieses Erinnerungsortes. Wir erwarten von der Stadtverwaltung nun eine schnellstmögliche Umsetzung, und zwar schneller als die angekündigten bis zu vier Jahre. Alles andere wäre ein Affront gegen die Opfer.“

Ahmet Edis, Stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrats Köln und Mitglied der Grün-offenen Liste (GOL) im Integrationsrat, ergänzt:„Wir sind sehr froh, dass das NSU-Mahnmal genau an dem Ort platziert wird, den die Betroffenen des rechtsterroristischen Anschlags gefordert haben. Dies ist ein erster notwendiger Schritt, um wieder Vertrauen in die Kölner Kommunalpolitik und Stadtverwaltung zu fassen. Durch die Täter-Opfer-Umkehr haben die Betroffenen jahrelang vielfaches Leid erfahren, weil sie nach dem Attentat selbst im Fokus der Ermittlungen standen. Sie mussten außerdem zeitraubende Prozesse bei der Entstehung des Mahnmals durchstehen. Die Arbeit geht aber jetzt weiter. Nun gilt es diesen Platz nachhaltig und auf Augenhöhe zusammen mit den Betroffenen und den zivilgesellschaftlichen Initiativen der Keupstraße zu gestalten. Wir als GOL werden weiterhin diesen Prozess konstruktiv begleiten und in einem engen Austausch mit den Betroffenen bleiben.“

Pressemitteilung der Stadtverwaltung
 


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