Natur ist die beste Gärtnerin: Kölner Gartenordnung muss ökologischer werden

Ratsfraktion
Veröffentlicht am: 09. August 2021

Immer wieder müssen ökologisch orientierte Kleingärtner*innen in Köln Konflikte mit den Verantwortlichen ihrer Kleingartenvereine austragen. Grund ist ein unterschiedliches Verständnis über die sinnvolle Garten-Bewirtschaftung. Eine neue, ökologischer ausgerichtete Gartenordnung der Stadt Köln soll Klarheit schaffen, indem sie mehr Möglichkeiten für naturnah angelegte Kleingärten bietet. Am 24. August startet dafür ein Beteiligungsprozess zwischen Naturschutzverbänden und Kleingärtner*innen. Die bestehende Gartenordnung wurde zuletzt 2013 angepasst.

Robert Schallehn, Umweltpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Kölner Rat, sagt: „Wir brauchen weniger Heckenschere und mehr Natur, denn oft schadet der menschliche Eingriff der Artenvielfalt. Der Stadtrat hat auf GRÜNEN-Initiative eine Überarbeitung der Kölner Gartenordnung beschlossen. Zum Beispiel müssen auch große und alte Bäume in Kleingärten möglich sein, was ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz ist. Auch die Anlage von wilden Bereichen wie Blühwiesen mit einheimischen Pflanzen wollen wir ermöglichen.“

Gabriele Falk, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Köln im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ergänzt: „Wenn wir den dramatischen Artenschwund bremsen wollen, geht es um jeden Quadratmeter. Auch die vielen Kleingärten in Köln bieten eine große Chance. Hier gibt es Menschen, die sich für ökologische Gärten engagieren. Die überarbeitete Gartenordnung soll diese künftig unterstützen. Wer blühende Kräuter und fruchtende Sträucher im Garten zulässt, dient Tier und Mensch in gleichem Maße.“[1]

Marcus Baban steht beispielhaft für diese ökologisch orientierten Gärtner*innen und die damit verbundenen Konflikte. Seinen im Juni 2019 gepachteten 300 Quadratmeter großen Kleingarten in Köln-Flittard bewirtschaftet er „so naturnah wie möglich“. Er bearbeitet den Boden schonend, nutzt abgeschnittenes Grün und Totholz als Nährstoffquellen sowie Lebensraum für Insekten und er lässt Wildkräutern sowie Wildbienen ihren Raum. So will Baban nach eigenen Worten „ein gesundes Ökosystem schaffen, das vielen Arten nutzt und gleichzeitig viel Ernte abwirft“.  

In seinem Kleingartenverein trifft diese Philosophie auf Widerstand. Laut Baban kritisiert der Vereinsvorstand unter anderem die Wildkräuter in seinem Garten, den Einsatz von Schnittgrün als Dünger und das Pflanzen von Obstbäumen. Er erhielt eine Kündigung. Gegen die anschließende Räumungsklage setzt er sich rechtlich zur Wehr.[2]

Hinweis

Die GRÜNEN im Kölner Rat planen zusammen mit dem BUND Köln eine Auftakt- Diskussionsveranstaltung zum Beteiligungsprozess für alle ökologisch-orientierten Kleingärtner*innen am 11.08.2021 um 18 Uhr.


[1] Zu den Forderungen des BUND, siehe auch: https://www.bund-koeln.de/service/meldungen/detail/news/alte-zoepfe-statt-klimagerechter-weiterentwicklung/

[2] In der TV-Sendung Sat 1 Akte ist ein Beitrag über den Fall geplant für den 3. August um 22:25; Bericht vom 18. Juli im Kölner Stadt-Anzeiger: https://www.ksta.de/koeln/muelheim/zank-um-kleingarten-in-koeln-flittard-paechter-wehrt-sich-gegen-kuendigung--38912816


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