Wasserbuslinie - Ausreichend geprüft?


Veröffentlicht am: 05. Juni 2011

Grüne und SPD haben in ihrer Koalitionsvereinbarung 2009 festgelegt, eine Wasserbuslinie zur Verknüpfung der Stadtteile am Rhein zu überprüfen. Die KVB AG beauftragte die Düsseldorfer Lindschulte + Kloppe Ingenieursgesellschaft mit einer Untersuchung, die seit Ende 2010 intern vorliegt und nun veröffentlicht wurde.

Grüne und SPD haben in ihrer Koalitionsvereinbarung 2009 festgelegt, eine Wasserbuslinie zur Verknüpfung der Stadtteile am Rhein zu überprüfen. Die KVB AG beauftragte die Düsseldorfer Lindschulte + Kloppe Ingenieursgesellschaft mit einer Untersuchung, die seit Ende 2010 intern vorliegt und nun veröffentlicht wurde.

Kurzsichtig

Das KVB-Gutachten betrachtet die Einrichtung einer Wasserbuslinie auf dem Rhein ausschließlich aus betrieblicher Sicht und stellt fest, dass sich die Einrichtung eines Wasserbusses auf dem Rhein betriebswirtschaftlich nicht rechnet. Das überrascht niemanden, der sich mit dem öffentlichen Nahverkehr beschäftigt. Wenn die Wirtschaftlichkeit der Nord-Süd-U-Bahn auf die gleiche Weise gerechnet würde, sähe das Ergebnis geradezu katastrophal aus: Über eine Milliarde Euro für 4,5 km U-Bahntunnel - ohne Schaden. Um den Nutzen eines Nahverkehrsmittels zu beurteilen, muss natürlich der volkswirtschaftliche Nutzen zur betriebswirtschaftlichen Berechnung ins Verhältnis gesetzt werden, wie z.B. bei der Uni-Buslinie.

Gratiseffekt Wasser

Die vorliegende Untersuchung stellt keine vergleichende Betrachtung zu anderen Investitionen in den Nahverkehr an. Bei der Einrichtung eines Wasserverkehrs ist allerdings der Verkehrsweg Rhein bereits kostenlos vorhanden. Gleistrassen, Tunnel oder Brücken müssen nicht gebaut und unterhalten werden. Somit ist ein Wasserverkehrsmittel in der Gesamtrechnung jedem anderen Landverkehrsmittel zwangsläufig immer überlegen.
Weiterhin müssen neben den reinen Erschließungsleistungen die positiven Effekte für die Kölner Stadtentwicklung betrachtet werden. Über weite Strecken ist das Kölner Stadtgebiet mit Verbindungen zwischen den Ufern unterversorgt. So fehlen sowohl im Kölner Norden als auch insbesondere im Kölner Süden attraktive Verbindungen zwischen den Stadtteilen am Rhein. Diese sind mit einem querenden Wasserbusverkehr deutlich attraktiver und preiswerter herzustellen, als mit Tunneln oder Brücken.

Ausgeblendet

Im KVB-Gutachten wurden das Fahrgastpotential mit 700 Fahrgästen pro Tag und damit der Deckungsgrad der Maßnahme deutlich zu gering für ein derart attraktives Verkehrsmittel angesetzt. In Hamburg fahren auf der Wasserlinie 62 entlang der Elbe täglich 11.470 Fahrgäste mit weiter steigender Tendenz. Die Potentiale für den Fahrradverkehr und für die touristische Nutzung wurden gar nicht untersucht. Die Attraktivität für den Umstieg vom Auto auf ein „kölsches Vaporetto“ auf der Nord-Südroute zwischen Rodenkirchen, Marienburg, Rheinauhafen und Zentrum für bisherige Nicht-KVB-Kunden („Commissario-Brunetti-Effekt“), wurde gegenüber der stauträchtigen Rheinuferstraße zu gering gesehen.

Vorteile

Seit vor 34 Jahren zum ersten Mal die Idee formuliert wurde, den Rhein in den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) einzubeziehen, sind die Vorraussetzungen in Stadt und Region für zumindest eine ernsthafte gesamtwirtschaftliche Untersuchung weiterhin gegeben. Die Potentiale für ein derart umweltverträgliches, nachhaltiges und attraktives Verkehrsmittel haben sich durch steigende Nutzung des ÖPNV, wirtschaftliche und Stadtentwicklungs-Trends zu Wasserlagen und Innenentwicklung sowie auch die prognostizierte Bevölkerungszunahme von Köln noch deutlich vergrößert. Die enormen technischen und finanziellen Vorteile einer Investition in Wasserverkehrsmittel sind - insbesondere bei der herrschenden öffentlichen Finanzlage - offensichtlich.

Gesamtbetrachtung

Die GRÜNEN halten eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung der Chancen einer Wasserbuslinie für unabdingbar. Dazu müssen die Potentiale der Region, der Stadtentwicklung, des touristischen Effektes, der Marketingeffekte für die Stadt und ihr Verkehrsunternehmen und der Möglichkeiten für die Fahrrad-erschließung einbezogen werden. Erst nach einer solchen Gesamtbetrachtung kann beurteilt werden, welchem Nutzen die nun aufgestellten Kostenrechnungen gegenüberstehen.    

Jörg Beste


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