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Abgeräumt


Wer seine Privatwohnung verläßt und auf die Straße tritt, begibt sich in einen öffentlichen Raum, der vom Ausdruck einer etablierten Gesellschaft belegt ist. Straßennamen, Gedenkplaketten, Mahnmale, Denkmale, Brunnen, Statuen und Skulpturen spiegeln gesellschaftliche Wertevorstellungen, die ausschließlich von den Etablierten in Politik, Sozialem, Kunst, Kultur, Arbeitswelt, Wirtschaft, usw. dominiert sind.

Nun ist nichts dagegen einzuwenden, daß der öffentliche Raum Ausdruck ist für das, was in einer jeweiligen Epoche als etablierter kultureller, sozialer und politischer Konsens gilt; problematisch allerdings ist die Ausschließlichkeit, mit der sich dabei in ungebrochen feudaler Tradition der gesamte öffentliche Raum zu eigen gemacht wird.

Kürzlich wurde mit Pomp und Getöse die Eröffnung eines Skulpturenparks gefeiert, dessen Zustandekommen und stadtgeographische Ortsbestimmung ausschließlich Sache einer kleinen Clique vornehmer Patrizier war; ein öffentlicher Diskurs fand nicht statt, und selbst die Beteiligung demokratischer Institutionen wie Kulturausschuß oder Rat hatte keinerlei beschließenden Charakter, sondern lediglich eine im nachhinein akklamatorische Bedeutung.

Zur selben Zeit wurde eine Denkmal-Skulptur im Volksgarten von einer untergeordneten Gartenbaudienststelle abmontiert und in irgendeinen Bauhof verschleppt. Sie war von Bauwagenbewohnern an einer verträglichen Stelle errichtet und allen Suchenden und Reisenden gewidmet. Dagegen aber ist in der Tat viel einzuwenden: Geht es doch um die Verweigerung eines Freiraumes im öffentlichen Raum, in dem sich auch die Nichtetablierten der Gesellschaft - die übrigens an Zahl und Bedeutung zunehmen - äußern können, dem sie ihr Gesicht geben und ihre Wertigkeiten einprägen und in dem sie sich wiederfinden können.

Als vor Jahren skandalöserweise die Wandmalerei am Bunker Elsaßstraße auf Anordnung eines Bezirksbeamten überpinselt wurde, führte dies letztendlich zu einer verbindlichen Zusage der Verwaltung, künftig vor der Entfernung von Kunstwerken im öffentlichen Raum stets die Kulturverwaltung zu beteiligen. Im Zweifel solle diese sich dann an den zuständigen Ausschuß wenden. So hätte auch mit der Skulptur im Volksgarten verfahren werden müssen.

Im Kulturausschuß haben wir deshalb nachgefragt, wer das Abräumen der Skulptur veranlaßt hat, wo sie sich jetzt befindet und warum die Verwaltung ihre Zusage nicht eingehalten hat.

 

rs