#146 - Juni 2002

Köln im Rückblick - Schonungslose Enthüllungen von Ignatz Igel


In Zeiten von „brutalstmöglicher Aufklärung„ und Transparenz möchte auch „Rathaus Ratlos„ seinen Beitrag leisten. Ignatz Igel recherierte über heute aktive Kölner Lokalpolitiker und kam zu verblüffenden Ergebnissen.

„Welcher Partei gehörte der Kölner AStA-Vorsitzende an, der 1966 wegen Rädelsführerschaft verurteilt wurde,

 A) CDU,
 B) DKP,
 C)FDP,
 D) SPD?
„ So könnte eine der schwierigeren Fragen bei Jauchs Millionenquiz lauten.

Die richtige Antwort ist A) CDU!

Denn in Köln war auch 1968 vieles anders. Zwar hatte hier schon 1966 eine gewaltige (und vor allem aus Seiten der Polizei gewalttätige) Demonstration stattgefunden, aber nicht gegen den Vietnamkrieg, sondern gegen KVB-Fahrpreiserhöhungen. Typisch kölsch war, dass diese Demonstration von einem CDU-Mitglied, dem damaligen AStA-Vorsitzenden Klaus Laepple angemeldet worden war, der dafür, obwohl er gar nicht teilgenommen hatte, wegen Rädelsführerschaft verurteilt wurde. Das „Laepple-Urteil„ des Bundesgerichtshofs 1969, nachdem der Aufruf zu Sitzblockaden als Nötigung zu werten ist, wurde erst 1995 durch das Bundesverfassungsgericht in wesentlichen Teilen aufgehoben.

Dieser Klaus Laepple war aber noch auf andere Weise bemerkenswert. Obwohl CDU-Mitglied, war er nicht im RCDS, sondern gründete mit anderen die „Kölner Studentenunion (KSU)„, sie sich mehr und mehr als „sozialliberal„ verstand und sich deshalb später (ca. 1973) in „Sozialliberaler Hochschulverband (SLH)„ umbenannte. Die KSU gehörte um 1971 zu den Kräften im Kölner Studentenparlament, die eine der ungewöhnlichsten AStA-Koalitionen einging, die man sich vorstellen kann, nämlich einem Bündnis aus Kommunisten, Sozialdemokraten und Christdemokraten.

Für die Kommunisten stand die „Kommunistische Gruppe Köln (KGK)„, die aus dem Kölner SDS hervorgegangen war und 1973 zu den Gründungsorganisationen des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) gehörte. Führend an der Uni Köln war damals Manfred Neugroda als 2. AStA-Vorsitzender. Auch dabei waren Ossi Helling und seit 1975 Jörg Frank. In deren Umfeld trieb sich auch der Chemiestudent Manfred Waddey herum, der unter dem Decknamen „Berti N.„ bekannt war.

Den sozialdemokratischen Part übernahm die „Unabhängige Hochschulinitiative (UHI)„ unter Führung des Jusos Rudolf Hartung, der AStA-Vorsitzender war und heute Geschäftsführer der Berliner SPD ist. Die UHI nannte sich später Juso-Hochschulgruppe und gibt es unter dem Namen immer noch. Ein wichtiges Mitglied der UHI war Wolfgang Uellenberg.

Der AStA wurde gebildet aus der UHI, der KHG und einigen linken ausländischen Gruppen. Diese Koalition hatte aber keine Mehrheit im Studentenparlament. Sie wurde unterstützt von einigen „frei schwebenden Linken„ wie dem späteren Stadt-Revue-Gründer Rudolf Rau und den „Basis-Gruppen„. Aber das reichte immer noch nicht für eine Mehrheit. Da der DKP-Studentenverband „MSB Spartakus„, zu deren führenden Bundesfunktionären der heutige Chefredakteur des Kölner Stadtanzeiger Franz Sommerfeld gehörte mit seinem Anhängsel Sozialistischer Hochschulbund (SHB) (Sozialdemokratischer Hochschulbund) ebenso wenig eine Mehrheit zusammen brachte wie der RCDS und die an der WiSo-Fakultät starken „Unabhängigen„, war die KSU das Zünglein an der Waage. Und sie entschied sich, obwohl immer noch eher christdemokratisch geprägt, den linken AStA zu stützen. Sie bekam dafür den Posten des Präsidenten des Studentenparlaments. Den nahm der Jura-Student Franz-Georg Rips ein. Die Juristische Fakultät war eine Hochburg der KSU, die andere die medizinische. Chef der Mediziner-KSU war Norbert Rüther. Es gab aber auch KSUler an der WiSo-Fakultät, z.B. Ludwig Hoerner.

Die AStA-Koalition hievte 1971 Manfred „Berti„ Waddey als „unabhängigen Linken„ in das Amt des Fakultätssprechers der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Zu den Fachschaftsvertretern, die ihn wählten, gehörte auch der Geographiestudent Karsten Hinrich Möring.

Aus der damaligen Opposition im Studentenparlament machte auch einer kommunalpolitische Karriere, RCDS-Chef Egbert Bischoff.

<<< Zurück