#168 - Mai 2005

Knast in Köln: „Gefängnis-Realität kaum im öffentlichen Bewußtsein“

Interview mit Klaus Jünschke


Zu wenig im Bewußtsein der Kölner StadtpolitikerInnen sind die Lebensverhältnisse der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf (JVA). Jährlich werden dort über 7.000 Menschen - oft nur für kurze Zeit – inhaftiert, da die JVA auch für die Untersuchungshaft dient. JVA-Beiräte üben eine demokratische Kontrolle des Strafvollzug aus. Für Rathaus Ratlos [RR] sprach Ossi Helling, sozialpolitischer Sprecher, mit Klaus Jünschke [KJ], für die GRÜNEN Mitglied im Beirat der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf (JVA). 1993 wurden die GRÜNEN auf ihn aufmerksam, als er mit dem „Kölner Appell gegen Rassismus“ einen Gesprächskreis gegen Rassimus in der Jugendabteilung der JVA Ossendorf initiierte. Auf Anfrage der GRÜNEN war er interessiert und sofort bereit, im Beirat zu arbeiten.

RR: Welche weiteren Politiker sitzen im Beirat und welche Aufgabe hat er?
KJ: In den letzten vier Jahren arbeiteten die CDU-Landtagsabgeordnete Marie-Theres Ley, Jochen Falkenhorst von der Ehrenfelder CDU, die CDU-Ratsmitglieder Christian Möbius, Hermann Josef Kramer, Wolfgang Simons mit. Für die SPD der Landtagsabgeordnete Friedhelm Lenz und Volker Menzel, Bewährungshelfer und Vorstand bei Drogenhilfe Köln e.V., sowie Dr. Matthias Schulenburg für die FDP.
Das Strafvollzugsgesetz regelt in den §§ 162 – 165 die Aufgaben der Beiräte. Der Strafvollzug ist Ländersache. Dadurch hat jedes Bundesland seine eigenen Vorschriften. Die Beiräte dienen der demokratischen Kontrolle des Strafvollzugs. Gefangene wie Bedienstete können sich an den Beirat wenden, wenn sie sich beschweren wollen oder in persönlichen Notlagen Hilfe brauchen. Außerdem soll der Beirat Mittler zwischen Öffentlichkeit und Justizvollzugsanstalt sein.

RR:
Kannst Du uns einen kurzen Überblick über die JVA und die gesellschaftliche Zusammensetzung der Insassen geben?
KJ: Die JVA wurde zwischen 1961 und 1970 für 983 männliche und 189 weibliche Gefangene gebaut. Insgesamt arbeiten dort 550 Bedienstete. Von den männliche Gefangenen sind etwa 120 Jugendliche und Heranwachsende, die von den Erwachsenen getrennt untergebracht werden. Über 50% aller Inhaftierten einschließlich Aussiedler haben einen Migrationshintergrund.
Derzeit werden die Hafthäuser renoviert. Dadurch steht immer eines der 16 Häuser leer. Das hat zur Folge, dass viele Gefangene zu zweit in einer Einzelzelle untergebracht sind.

RR: Wie können wir uns die Beiratsarbeit und sein Verhältnis zur Gefangenenvertretung bei Konflikten vorstellen?
KJ:
Die Gefangenenmitverantwortung (GMV) sollte aus jeweils zwei Gefangenen aus jedem Hafthaus bestehen. Da in der JVA Köln viele in Untersuchungshaft sitzen, ist die Fluktuation enorm. Die GMV ist nicht immer vollständig. Wir als Beirat erhalten zur Information die Sitzungsprotokolle der GMV. Ich persönlich gehe mehrmals im Jahr zu einer GMV-Sitzung, spreche mit den Gefangenen direkt, lerne ihre Problene kennen. Ihre Beschwerden stelle ich dann im Beirat zur Diskussion. Ein aktuelles Problem sind die von Schimmelpilz befallenen Duschen. Selbst der Anstaltsarzt hält den Zustand für unerträglich und hat sogar deshalb schon Duschen schließen lassen.

RR: Warum sind die Duschen in solch