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Die Kölner Klagemauer


In der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober '96 mußte die festinstallierte Klagemauer auf Betreiben der Hohen Domkirche und der Stadtoberen von der Domplatte geräumt werden. Die mobile "lebt" weiter.

In einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel: "Die Kölner Klagemauer - für Frieden und Völkerverständigung" wird die bisherige Geschichte der Klagemauer aufgezeigt und bebildert.

Sie beginnt '89 mit der Klagemauer zur Wohnungsnot und wird anläßlich des Golfkrieges '91 als Klagemauer für den Frieden mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten fortgesetzt.

Die engagierten AutorInnen beschäftigen sich im ersten Teil mit den "Ereignissen" und im zweiten Teil mit den "Dimensionen" der Klagemauer, eingebettet in ein Vor- und Nachwort.

Im ersten Teil des Buches wird der umstrittene Alltag um die Klagemauer dargestellt. Die unterschiedlichen Reaktionen von Passanten, Besuchern, Schulklassen, Presse, Fernsehen bis zur Zerstörungswut und tätlichen Angriffen Rechtsextremer gegen Walter Herrmann, den Bewacher.

Im Konflikt der Befürworter und Gegner sind die ersten Rechtsstreitigkeiten vorprogrammiert. Eine Standortdiskussion beginnt und mündet in die lokalpolitische Diskussion: "Wem gehören die öffentlichen Plätze?"

Im zweiten Teil werden Fragen der Völkerverständigung, des sozialen Friedens; Antirassismus, Antifaschismus und Obdachlosigkeit Diskussionsinhalte der Klagemauer. Diese Themen ziehen Friedensfreunde aus Hiroshima und Nagasaki, aus den Niederlanden, Osteuropa und den USA an. Bürgerrechtler sowie Nobelpreisträger besuchen die Klagemauer. Sie wird Teil der internationalen Friedensbewegung - sie ist "Kunstwerk"," soziale Plastik " und "lebendige Religion" ; für Liedermacher: Ein 'Objekt der Begierde'.

Ein lesenswertes Buch ist entstanden, welches auch die Gegner der Klagemauer zum Überdenken ihrer Einstellung veranlassen wird.

uf

 

Die Kölner Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung. Hrsg:: Heinrich-Böll-Stiftung, Horlemann-Verlag, Bad Honnef, 19,80 DM