Soziales

AK Soziales on tour: Überleben oder gutes Leben in Köln?

Der Kölner Wohnungsnotstand hat vor allem für Obdachlose dramatische Konsequenzen, bekamen die Mitglieder des Grünen Arbeitskreises Soziales am 22. Oktober bei ihrem Besuch und gegenseitigen Erfahrungsaustausch im „GULLIVER“ zu hören. Es gebe kaum noch private Vermieter die für diese Personengruppe offen seien und bei den ohnehin viel zu wenigen sozialgebundenen Wohnungen gebe es jahrelange Wartelisten. "Wir müssen da viel mehr tun! Lasst uns unbürokratischere und schnellere Lösungen finden, auch um die soziale Spaltung nicht nur zwischen arm und reich, sondern auch zunehmend zwischen den armen und sozial benachteiligten Gruppen aufzuhalten, die rechten Rattenfängern in die Hände spielt", fordert Geschäftsführer Bernd Mombauer bei der Führung durch die zweistöckigen, vom Kölner Arbeitslosenzentrum e.V. betriebenen Räumlichkeiten. Die 2001 eröffnete Überlebensstation für Obdachlose am Hauptbahnhof bietet Tagesschlafstellen, Toiletten, Duschmöglichkeiten, günstiges Essen, Schließfächer und auf Wunsch auch Beratung. Täglich kehren hier 150 bis 200 Hilfsbedürftige ein.

Zugleich ist das "GULLIVER" auch ein Beschäftigungsprojekt für Betroffene, allerdings mit immer höheren rechtlichen Hürden. "Die Dokumentations- und Nachweispflichten erlauben es uns kaum noch, einen niedrigschwelligen Einstieg zu ermöglichen. Zum Beispiel für Menschen die nur für einen halben Tag arbeitsfähig sind und sich nicht ausweisen können", klagt Mombauer und sehnt sich die Flexibilität früherer Jahre zurück. Ein Thema für den Deutschen Bundestag. Den meisten im GULLIVER Beschäftigten habe man im Laufe der Zeit auch eigenen Wohnraum vermitteln können. Für alle anderen auf der Straße lebenden Wohnungssuchenden fordert er eine schnelle Umsetzung des "Housing first"-Prinzips, das von der Stadt im aktuellen Haushalt mit 5 Millionen Euro eingeplant ist. Eine Forderung, die beim AK Soziales offene Türen einrennt und auch Teil des von ihm beschlossenen Positionspapiers "Gutes und bezahlbares Wohnen in Köln" ist. "Eigentlich soll mit diesem Konzept verhindert werden, dass überhaupt Menschen auf der Straße landen. Aber dafür brauchen wir zugesicherte Belegungsrechte", so Mombauer.

Im täglichen Betrieb orientiert sich das GULLIVER am Leitspruch "Nur das Beste für unsere Gäste". "Wir verteilen hier keine Almosen, jeder muss zumindest einen kleinen Selbstkostenpreis zahlen und umgekehrt nehmen wir keine Spenden von ausgemusterten Lebensmitteln an", erklärt Mombauer. Im GULLIVER solle niemand das Gefühl haben, ein Mensch zweiter Klasse zu sein. "Bei uns sitzt man an einem Tisch und ist gleich. Egal ob bedürftig oder nicht und unabhängig von der Staatsbürgerschaft!" Er sehe immer mehr Spaltung auch innerhalb der Obdachlosenszene, ein Trend, den er für hochgefährlich hält und den die Politik auf dem Schirm haben müsse. Was zu angeregten Diskussionen mit den Grünen Besucher*innen führte...

Wie es mit der Finanzierung des Projektes weitergeht und den konkreten Aufgabenfeldern, darüber wünscht sich Mombauer möglichst schnell Klarheit. Der größte Teil des Jahresetats von ca. 500.000 Euro wird bisher von der Stadt Köln übernommen. "Allerdings sind wir dringend auf kleine und große Spenden angewiesen, um den nötigen Eigenanteil von 80.000 - 100.000 Euro pro Jahr aufzubringen", appelliert Mombauer nicht nur an die zahlreich erschienenen Grünen, sondern die ganze Kölner Stadtgesellschaft. Viele Einzelangebote innerhalb der Einrichtung, wie die zwei frei nutzbaren PCs, wurden von der Bezirksvertretung Innenstadt finanziert, die das GULLIVER von Anfang an unterstützt habe.

Auch Nicht-Obdachlose seien im GULLIVER herzlich willkommen und könnten bei einem preiswerten Frühstück oder günstigem Strammen Max die Gelegenheit nutzen, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. "Das schafft gegenseitiges Verständnis und öffnet wahrscheinlich vielen die Augen, warum es in so einem reichen Land wie unserem überhaupt Menschen ohne Dach über dem Kopf gibt", so Mombauer. Von Seiten des Arbeitskreises Soziales erntete seine Forderung Zustimmung, dass es ein Grundrecht auf bezahlbares Wohnen geben müsse. "Da ziehen wir am selben Strang", so AK-Sprecher Marc Kersten.  

Link zu GULLIVER: www.koelnerarbeitslosenzentrum.de/gulliver/das-projekt.php

26.11.2019
AK Soziales
19:00 - 21:00
Kreisgeschäftstelle, Eberplatz 23, 50668
24.12.2019
AK Soziales
19:00 - 21:00
Kreisgeschäftstelle, Eberplatz 23, 50668