„Tschö RheinEnergie“-Kampagne gegen das Braunkohlekraftwerk Merkenich: Gut gemeint, aber kontraproduktiv

16.12.15 | Ratsfraktion, Umwelt, Pressemitteilung

 Die Kölner Initiative „Tschö RheinEnergie“ fordert aktuell die Abschaltung des Braunkohle-Kraftwerks Merkenich und ruft auf ihrer Website (www.tschoe-rheinenergue.de) zur Unterzeichnung einer „Petition“ auf. Die GRÜNEN halten diese Kampagne für kontraproduktiv, weil sie die Energiewende nicht voranbringt.

Gerd Brust, energiepolitischer Sprecher der grünen Ratsfraktion, erklärt warum. Seit Ende der 1980er Jahre betreibt die Kölner RheinEnergie in Merkenich ein kleines Braunkohle-Kraftwerk zur gekoppelten Erzeugung von Strom und Wärme (Fernwärme und Dampf für die Ford-Werke). Durch diese Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) hat dieses Kraftwerk einen fast doppelt so guten Wirkungsgrad wie die alten RWE-Braunkohlenblöcke, welche die Abwärme nicht nutzen. Deshalb und aufgrund der innovativen Wirbelschichttechnik wurde der Bau solcher Kraftwerke damals auch von der Umweltbewegung gegen das Waldsterben und den sauren Regen unterstützt. Auch im ersten grünen Kölner Kommunalwahlprogramm 1984 haben die GRÜNEN den Bau dieser Anlage ausdrücklich gefordert.

Abschalten schlecht für die Umwelt

Heute ist diese Anlage natürlich unter Klimagesichtspunkten nicht mehr optimal. Die kleine Initiative „Tschö RheinEnergie“ fordert nun ihre sofortige Stilllegung. Was wären die Folgen? Würde das Kraftwerk abgeschaltet, so würde RheinEnergie den Dampf für die Wärmeversorgung aus der Müllverbrennungsanlage beziehen und den Strom an der Börse kaufen. Dieser eingekaufte Strom käme zum großen Teil aus noch älteren und schlechteren Braunkohlenkraftwerken. Für die Umwelt wäre dies eine Verschlechterung!

Wie sieht die richtige Reihenfolge aus?

Umweltpolitisch sinnvoll ist, zuerst die schlechtesten und zum Schluss die besten Braunkohlenkraftwerke stilllegen. Aber nicht umgekehrt, weil RheinEnergie der schwächere Gegner als RWE ist. Alle Umweltengagierten müssen sich schon die Mühe machen, sich in dieser Frage mit der Bundesregierung und dem RWE anzulegen. Die Stilllegung von Merkenich (80 MW) wäre gegenüber etwa 10.000 MW Kraftwerksleistung im RWE-Braunkohlenrevier bloß ein Tropfen auf den heißen Stein. Die ältesten Kraftwerke mit Wirkungsgraden von nur wenig über 30% müssen jetzt vom Netz, aber nicht die KWK-Anlagen.

Zu kurz gedacht

Der Denkfehler der Initiatoren dieser Kampagne besteht darin, dass sie glauben, bei Stilllegung des Braunkohlenkessels in Merkenich ginge die dortige Gas-und-Dampf-Turbine als Ersatz in Betrieb. Dabei wären die Kosten zur Herstellung einer kWh Strom fast doppelt so hoch. Der RheinEnergie-Vorstand ist aber nach Aktienrecht verpflichtet, jeweils die wirtschaftlichste Lösung zu wählen. Diese darf der Vorstand nur ein betriebswirtschaftlich betrachten – ohne Berücksichtigung externer Folgekosten. Dafür muss erst die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen, z.B. durch höhere Kosten für CO2-Zertifikate. Da Gaskraftwerke aber zurzeit im Betrieb wesentlich teurer sind als Kohlekraftwerke, wird  Strom an der Börse eingekauft, der von schlechteren Kohlekraftwerken produziert wird.

Man könnte zwar theoretisch fordern, trotzdem das Gaskraftwerk laufen zu lassen. Das müsste dann aber folgerichtig für alle Gaskraftwerke in der Republik gelten. Denn überall werden sie derzeit aus Kostengründen leider stehen gelassen, weil Gas teurer als Kohle und der Preis für die CO2-Zertifikate viel zu niedrig ist. Würden alle Stadtwerke trotz der enormen Kostendifferenz den Strom ihre Gaskraftwerke dem von der Börse vorziehen, wären sie in kurzer Zeit insolvent. Damit wäre der Energiewende aber mit Sicherheit nicht gedient.