Bezirk Lindenthal

Würdigung von Ernst Berliner - Kölner Widerstandskämpfer und Radsportler

Bei der Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal am 01. Februar 2021 beschließt eine breite demokratische Mehrheit die Würdigung von Ernst Berliner – künftig wird der Platz vor dem Radstadion im Müngersdorfer Sportpark seinen Namen tragen. Der Beschluss zur Ehrung von Ernst Berliner geht auf den von Bündnis 90/Die Grünen initiierten Antrag zurück, der gemeinsam mit CDU, SPD, FDP und Die Linke gestellt worden ist.

„Wir ehren damit einen aufrechten Demokraten, einen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, einen berühmten Radsportler, einen Freund von Albert Richter und einen Menschen mit Courage und ne kölsche Jung“, so Lara Schneider, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen.

Die Wahl des Platzes ist kein Zufall: Derzeit macht sich eine Bürgerinitiative dafür stark, das Müngerdorfer Radstadion nach dem Radsportler Albert Richter und den Platz davor nach seinem Freund und Trainer Ernst Berliner zu benennen. Vertreter*innen der Bezirksvertretung trafen sich mit der genannten Initiative am 25. Januar 2021 – dem 130.Geburtstag von Ernst Berliner im Sportpark.

„Wenn die Initiative zur Benennung des Radstadions nach Albert Richter auch Erfolg hat, werden die beiden Freunde im Müngersdorfer Sportpark wieder vereint“, so Roland Schüler von der Initiative und Bezirksvertreter in Lindenthal.

Zur Person:

Ernst Berliner – als Isedor Berliner am 25.01.1891 in Köln geboren, lebte im Griechenmarktviertel in Köln. 1912 wurde der damalige Radsportler auf der Stadtwaldbahn Kölner Stadtmeister. Nach dem 1. Weltkrieg arbeitete er zunächst als Polsterer, um dann als Radsport Manager zu wirken. So betreute er u. a. den Kölner Amateur-Weltmeister von 1932, Albert Richter. Im April 1933 entzogen ihm die Nationalsozialisten die Lizenz als Trainer, weil er jüdisch war. Albert Richter hingegen hielt trotzdem an der Verbindung zu ihm fest: Ernst Berliner blieb sein Trainer und Freund. 1937 floh Familie Berliner nach Amsterdam. Auch dort betreute er Albert Richter, so bei den Bahn-Weltmeisterschaften 1938 in Amsterdam. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten war er Teil des Widerstandes. Am 02.01.1940 starb Albert Richter auf ungeklärte Weise. 1947 wanderte Ernst Berliner in die USA aus, von wo aus er sich bemühte, die Todesumstände seines Freundes aufzuklären. Dafür reiste er 1966 wieder nach Köln und stellte Strafanzeigen. Doch die Staatsanwaltschaft zeigte keinen Willen und kein Interesse den Tod von Albert Richters nach der Verhaftung durch die Gestapo aufzuklären. Ernst Berliner starb 1977 in den USA.

Termine

11.03.2021
OV Lindenthal - Offenes Treffen
20:00 - 22:00
08.04.2021
OV Lindenthal - Offenes Treffen
20:00 - 22:00
Jugend- und Kulturzentrumsinitiative (JUZI Sülz) e.V., Sülzburgstraße 112/118, 50937 Köln, Deutschland