Nippes

Longerich: Kritische Stele steht im Abseits

Seit dem 29. Juli steht eine zwei Meter hohe, kritisch aufklärende Mahntafel auf dem Kriegerplatz in Longerich. „Wir freuen uns, dass der entsprechende einstimmige Beschluss der Bezirksvertretung pünktlich zur 1.100 Jahr-Feier von Longerich ausgeführt wurde,“ so die GRÜNE Fraktion in der Bezirksvertretung Nippes. „Aber den Standort kann man voll vergessen“, schimpft Max Beckhaus, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN: „Ganze 15 Meter entfernt und obendrein tiefer gelegt. Man muss ja den Eindruck haben, die Stele solle versteckt werden.“ Wer jetzt auf den Platz schaue oder ihn betrete, werde die Tafel womöglich nicht einmal bemerken oder einen Zusammenhang mit dem Kriegerdenkmal vermuten, das an die preußischen Annexions-Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 erinnert.

„Absurd: Das über vier Meter hohe Kriegerdenkmal selbst mit Adler und Kaiser-Wilhelm-I-Abbild ist nach der lange erwarteten Umgestaltung des Kriegerplatzes groß herausgestellt worden. Büsche wurden entfernt und Sitzbänke aufgestellt“, ergänzt Diana Siebert, ehrenamtliche Bezirksbürgermeisterin im Stadtbezirk Nippes.

Für die Argumentation, das Denkmalschutzgesetz erlaube keine nähere Platzierung der Stele, hat die Historikerin Diana Siebert kein Verständnis: Erstens könne Umgebungsschutz nicht bedeuten, dass ein solch riesiger Abstand einzuhalten ist. Zweitens handele es sich bei dem Denkmal um die Verherrlichung von Angriffskriegen mit erfolgreicher Annexion von Gebieten von Nachbarländern. Ein grausam aktuelles Thema. „Jetzt ist keine Zeit für Nationalismus, falsche Helden oder die Verherrlichung von Angriffskriegen. Nur wenn wir die Gegenwart nutzen, um über Fehler der Vergangenheit aufzuklären, werden wir eine friedliche Zukunft haben.“ Und sie fragt: „Welchen Schutz hat solch ein Denkmal überhaupt verdient?“

In Köln gibt es derzeit eine heiße Debatte über den Umgang mit dem kolonialistischen Erbe, wie zum Beispiel Kaiser-Wilhelm-II-Denkmälern. Diejenigen, die solche Skulpturen stehen lassen wollen, argumentieren, man könne ja erklärende Tafeln anbringen. „Wir wissen nicht, ob das ausreicht“, so Diana Siebert, „aber wir wissen, dass es auf keinen Fall ausreicht, solch eine Tafel in 15 Metern Entfernung anzubringen. Schade, wir wären gerne Vorbild gewesen!“

Und Max Beckhaus kündigt an: „Wir werden darauf pochen, dass die Stele, wie von der BV beabsichtigt, als Kontrapunkt direkt neben das Kriegerdenkmal kommt.“ / Quelle: Presseinfo der Grünen BV-Fraktion vom 6.08.22

 

Meine Meinung für Nippes:

Aufenthaltsverbesserung Neusser Straße

Die Neusser Straße zwischen Kempener und Blücher Straße dient vielen Menschen aus dem Stadtbezirk und auch darüber hinaus als zentraler Einkaufs- und Aufenthaltsort, den Anwohner*innen auch als Lebensmittelpunkt. Entsprechend konsequent hat die Gestaltungsmehrheit aus Grünen, FDP, Klimafreunden, Gut und die Linke in der Bezirksvertretung Nippes 2021 einen Beschluss zu veränderten Rahmenvorgaben für die Neugestaltung der Neusser Straße getroffen. Die damit angestoßene weitere Verkehrsberuhigung, Bereitstellung von breiteren Fußwegen und Verbesserungen für den Radverkehr sind Veränderungen, die sicher Viele lieber gestern als morgen umgesetzt sehen wollen. Umso ärgerlicher ist es, dass die Stadtverwaltung nun die interne Priorisierung dieser Neugestaltung zeitlich so verändert hat, dass diese Maßnahme zur Verbesserung der Lebensbedingungen und des aktiven Klimaschutzes erst 2026/27 begonnen werden sollen. Sicher, die finanziellen Mittel sind knapp und auch in der Verwaltung fehlen Fachkräfte für solche komplexen Projekte. Aber was ist gerade mit dieser langen zeitlichen Perspektive mit weniger ressourcenintensiven Sofortmaßnahmen? Am 03.12.2022 hat die Bezirksvertretung einem Bürgerantrag zugestimmt und die Verwaltung um Prüfung gebeten, welche der darin aufgeführten konkreten Maßnahmen umgesetzt werden können. Zu sehen ist davon leider nichts. Anders als auf der Ehrenstraße, der Deutzer Freiheit oder dem Eigelstein gibt es für Nippes aber auch keine anderen Aktivitäten seitens der Stadtverwaltung, die Situationen auf der Neusser Straße zu verbessern. Ich meine, dass hier die Bezirksvertretung und auch die Mandatsträger*innen für Nippes im Rat der Stadt Köln auf die Umsetzung von Sofortmaßnahmen zur Veränderung der Verkehrsraumgestaltung der Neusser Straße drängen sollten. /TE Quelle: Mitgliedermail 07/2022

 

Grüne BV-Fraktion hakt nach:

Öffentliches WC am Wilhelmplatz

Ein stilles Örtchen für ein gar nicht stilles Örtchen: Was ist eigentlich aus den Plänen für ein öffentliches WC am Wilhelmplatz geworden, die wir GRÜNE unterstützt haben? 

Bei einem überparteilichen Ortstermin haben wir uns umgeschaut und können bestätigen, dass die Bauarbeiten hierfür letzte Woche gestartet wurden. Die Bezirksvertretung hatte mehrmals mit großer Mehrheit auf eine Toilettenanlage gedrängt, ebenso wie Bürgeramtsleiter Ralf Mayer. "Während der Pandemie ging dann gar nichts mehr, als die anliegende Gastronomie zeitweise geschlossen war und deren WCs nicht mehr zur Verfügung standen", so Bezirksvertreterin Inga Feuser (GUT/Klimafreunde). Dass jetzt gebaut werde, sei eine gute Nachricht für die Marktbeschicker. Aber nicht nur für die, wie der GRÜNE Fraktionsvorsitzende Max Beckhaus betont: "Auch für Eltern mit kleinen Kindern, Obdachlose oder Personen mit chronischen Darmerkrankungen wird damit mehr Menschenwürde und soziale Teilhabe geschaffen". Und alle dürften froh sein, dass damit die Zeit der mobilen Toilettencontainer endet, die nicht gerade einladend wirkten. /Team BV-Fraktion Quelle Mitgliedermail 07/2022