
06.08.26 –
An mehreren Stationen sprachen Frank Jablonski und Norbert Breidt von FIAN Deutschland (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) über Meilensteine im Kampf für die Menschenrechte, aber auch über deren Verletzung und Unterdrückung. Den Auftakt bildete der Park der Menschenrechte. Er erhielt seinen Namen 2002 auf Anregung von Amnesty International. Heute erinnern dort 19 in den Hauptweg eingelassene Steine an bürgerliche, politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Menschenrechte. Die ersten Steine wurden 2005 von FIAN gesetzt, und der jüngste wurde am 21. Juli 2026 durch das Environmental Law Center der Universität zu Köln ergänzt. Er betont das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt.
Weitere Stationen des Spaziergangs waren das St. Hildegardis Krankenhaus, das für das Recht auf Gesundheit steht, die LVR-Johann-Joseph-Gronewald-Schule als Symbol für das Recht auf Bildung sowie die Studentenverbindung Suevia Köln. Dort wehen neben den Vereinsfarben auch die Europa- und die LGBTQ-Fahne – ein sichtbares Zeichen für das Recht auf Gleichheit, geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung sowie den Schutz vor Diskriminierung.
Über den als „multifunktionalen Erholungsraum“ gestalteten Lortzingplatz, der Themen wie Wohnen, Sicherheit und Lebensqualität aufgreift, führte unser Weg zur Villa Schröder. In der am Stadtwaldgürtel gelegenen Villa trafen sich am 4. Januar 1933 Adolf Hitler und der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, um die Voraussetzungen für eine konservativ-nationalsozialistische Regierung zu besprechen. Papens Hoffnung, Hitler in einer Koalition kontrollieren zu können, erwies sich als folgenschwere Fehleinschätzung. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zerstörte die NSDAP innerhalb weniger Monate die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik und errichtete ein totalitäres Regime. Die Entwicklung bleibt eine Mahnung, demokratiefeindliche Kräfte niemals zu unterschätzen.
Wie brutal das nationalsozialistische Regime vorging, wurde auch an der letzten Station des Spaziergangs deutlich: dem ehemaligen Kinderheim Sülz. Das Gelände war einst das größte Waisenhaus Europas. Hier lebten zwischen 1917 und 2009 rund 22.500 Kinder und Jugendliche. Während der NS-Zeit leitete Friedrich Tillmann die Einrichtung. Er war zugleich von 1940 bis 1942 Büroleiter der Zentraldienststelle T4 in Berlin, die für die organisatorische Durchführung der nationalsozialistischen Krankenmorde verantwortlich war. Heute erinnert der „Platz der Kinderrechte“ an die ehemaligen Bewohner*innen des Heims. Vor dem früheren Haupteingang am Sülzgürtel wurden Stolpersteine für drei Kinder der Sinti und Roma gesetzt, die dort lebten und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.
Am Ende zog Frank Jablonski folgendes Fazit: "Demokratie und Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit. Der Spaziergang hat gezeigt, wie wichtig Aufklärung und gesellschaftliches Engagement sind, um Freiheit, Vielfalt und Menschenwürde zu schützen."
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