22.03.10 –
Das Ergebnis der Elternbefragung zeigt drei Tendenzen: Ersten, den Wunsch der Eltern nach einem möglichst hohen Bildungsabschluss für ihre Kinder (82 % für Gymnasium oder Gesamtschule); zweitens, den Wunsch nach Ganztagsbetreuung (67 %); drittens wohl überraschend den Wunsch nach GU von Behinderten und nicht Behinderten (72 %). Der Rat entschied aber nicht allein auf Basis dieser Umfrage, sondern folgt dem langjährigen Trend zur Gesamtschule und der nicht erfüllten Nachfrage nach Gesamtschulplätzen.
Hunderte von Schülern und Schülerinnen wurden jährlich abgewiesen. Die Gesamtschule ist die einzige Schulform, für die der Elternwille permanent massiv verletzt wird. Hingegen erhalten alle mit einer Gymnasialempfehlung und dem Wunsch, ein Gymnasium zu besuchen, dort auch einen Platz. Allein schon deshalb weist die CDU-Forderung nach mehr Gymnasien ins Leere.
Im Wesentlichen sprechen vier Gründe dafür, dass sich die Schullandschaft in Richtung mehr Gesamtschulen für Alle mit Ganztagsangebot bewegen muss.
Das gegliederte Schulsystem
Erwiesenermaßen ist das die Gesamtschule, die Kinder aller Schichten und jeder ethnischen Herkunft besser fördert. Die Betreuer der PISA-Studien, Baumert und Prenzel, weisen nach, dass integrative Schulformen mit leistungsheterogenen Gruppen sowohl zu mehr höheren Bildungsabschlüssen führen als auch zur Korrektur gesellschaftlicher Ungleichheit beitragen.
Nun hat der Regierungspräsident Lindlar die Gesamtschule in Nippes nur als Halbtagsschule ohne GU genehmigt. Ein bildungspolitischer Schildbürgerstreich erster Güte.
Die Gesamtschulen sind geradezu die Erfinder der Ganztagsschule in Deutschland: Ihre Pädagogik, ihr Zeitrhythmus, ihre Förderinstrumente, ihr soziales wie auch kulturelles Leben – alles ist auf den Ganztag ausgerichtet. Diese Schule soll nun ins Prokrustesbett des Halbtags gepresst werden. Das in einer Zeit, in der sich endlich die anderen Schulformen in Richtung Ganztagsschule aufmachen.
Die GRÜNEN setzen sich für die Aufhebung dieses RP-Unfugs ein. Inzwischen hat der Rat per Dringlichkeit beschlossen, die Genehmigung als Ganztagsschule gerichtlich einzuklagen. Die Stadt muss nun ein unmissverständliches Signal für den Ganztag und den gemeinsamen Unterricht setzen: Die Schule muss baulich, materiell und personell so ausgestattet werden, dass die Aufnahme eines geregelten Ganztagsunterrichts für Alle nur noch eine Formsache ist.
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