Die Kreismitgliederversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Köln beschließt, dass der Kreisverband Köln und seine Gremien, Organe und Arbeitskreise auf die Nutzung jeder generativen Bilderzeugung oder Modifikation zu Zwecken der parteiinternen und öffentlichkeitswirksamen Kommunikation verzichten, solange keine gemeinsame Digitalstrategie der Partei und des Bundesverbandes vorliegt, die Handkungsempfehlungen für den Einsatz von KI in der politischen Arbeit festlegt. Sobald diese feststeht, wird unsere Handlungsstrategie auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls durch einen neuen Beschluss abgelöst. Die GRÜNEN Köln empfehlen all ihren Mandatsträger*innen, es ihnen gleich zu tun.
I. Menschen, nicht Maschinen
Wie wir nach außen und innen kommunizieren, ist zentral für unsere Mitglieder und Wähler*innen.
Die Erzeugung von Bildern mit sog. Künstlicher Intelligenz* ist nicht mit unseren Grünen Grundwerten vereinbar.
Billige KI-generierte Bilder sind auf den ersten Blick an seltsam verschobenen Dimensionen, kryptischen Buchstaben und grotesken Details erkennbar. Aber auch realistischere Bilder leiden unter stereotypisierten Darstellungen von uns Grünen. Dabei sind wir echte, nahbare Menschen, die sich jeden Tag für diese Partei und ihre Werte einsetzen. Bei uns zählt das Individuum, und das sollten wir auch kommunizieren: Wir stellen reale Menschen ins Zentrum, nicht künstliche Kreationen. [1]
Unseren Social-Media-Auftritt und unsere Kommunikation gestalten Menschen, egal ob haupt- oder ehrenamtlich, und sie denken über jeden Pixel und jeden Buchstaben nach. Frei nach dem Motto „why should I read what you didn‘t bother to write“: Warum sollten Menschen sich für unsere Posts interessieren, wenn wir uns keine Mühe bei der Erstellung gemacht haben? [2]
II. Klima- und Umweltzerstörung durch KI-Rechenzentren
KI-Rechenzentren schlucken Unmengen an Wasser, während der Rhein trockenfällt und in Europa das Trinkwasser knapper wird. Umso schlimmer, dass der Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren noch steigen wird, und 2030 so viel Wasser benötigen könnte wie 1,3 Milliarden Menschen. [3] Die rechenaufwendige Generation von Bild- und Videodateien ist besonders energie- und wasseraufwendig.
KI-Rechenzentren sorgen zudem für Unmengen an Elektroschrott. Grafikkarten in Rechenzentren haben nur eine geringe Nutzungsdauer. Insgesamt könnten bis zu 2,5 Millionen Tonnen zusätzlicher Elektroschrott pro Jahr bis 2030 entstehen. DieserElektroschrott enthält nicht nur Materialien, die nur unter hohen Umweltkosten hergestellt werden konnten, sondern kann auch giftig und schwer
recycelbar sein. [4]
Als Grüne stehen wir für einen sorgsamen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen und prangern Wasserverschwendung nicht nur an, sondern fordern und fördern Lösungen. Mit dieser Politik ist eine Nutzung von KI-generierten Bildern unvereinbar.
III. Stromfresser
Der immense Energiehunger von KI droht den Erfolg der Energiewende zu vernichten. Der für KI notwendige Strombedarf könnte sich verdoppeln. [5] Dieser Energiebedarf soll durch neue fossile Kraftwerke gedeckt werden. Auch in Deutschland werden Dieselgeneratoren oder Gaskraftwerke eingesetzt, nur um Rechenzentren zu betreiben. [6] Für KI-Rechenzentren sollen sogar Atomkraftwerke gebaut oder reaktiviert werden. [7] Jede Anfrage und jede Bildgenerierung verbrauchen Energie und befeuert Unternehmen in ihrem Eifer, immer neue Rechenzentren zu bauen. In Anbetracht der immer deutlicher werdenden Klimakatastrophe ist das fatal.
IV. Das ist alles nur geklaut
Generative KI basiert auf dem Training mit den Werken von Künstler*innen und Kulturschaffenden, die ohne ihr Einverständnis und ohne Gegenleistung verarbeitet wurden. Zu befürchten ist auch ein Substitutionsdruck: Es könnten keine neuen Aufträge für Stock-Fotograf*innen, Grafikdesigner*innen u. ä. entstehen, wenn KI-generierte Bilder verwendet werden. Fotograf*innen und Grafikdesigner*innen fällt damit eine wichtige Einnahmequelle weg: KI substituiert ihre Werke und verdrängt Menschen aus ihrer Arbeit. Davon profitieren allein große amerikanische Tech-Konzerne, während hier Arbeitsplätze verschwinden. [8]
V. Cleane Grafik, blutige Hände
Die für die Entwicklung von KI-Modellen nötige Datenannotation verursacht Leid und psychische Belastung bei Arbeitskräften im globalen Süden: Damit ein Modell mit Bildern und Videos trainiert werden kann, müssen menschliche Arbeitskräfte zuvor unzählige Bilder und Videos ansehen, beschriften und bewerten. Diese enthalten auch belastende Inhalte, die von pornografischen Aufnahmen bis hin zu Kriegs-, Mords- oder Missbrauchsdarstellungen reichen. [9] Diese Kosten sollten wir abwägen, bevor wir KI zur Bildgenerierung nutzen.
VI. KI-Rechenzentren sind unbeliebt
Im Maintal wurde ein Rechenzentrum, das mit einem eigenen Gaskraftwerk betrieben sollte, nach Widerstand in der Bevölkerung gestoppt. [7] Auch in den USA zeigt sich: Neben einem lärmenden, hässlichen Klotz, der die Umgebung noch zusätzlich erhitzt, will niemand wohnen. [10] Und wenn wir ehrlich sind: Wir wären gegen ein solches KI-Rechenzentrum in Köln, also ist es nur stringent, dass wir die Technologie auch nicht nutzen.
VII. Fazit
KI-Technologien prägen unsere Arbeit und unsere Gesellschaft. Nichtsdestotrotz können wir entscheiden, wie, wofür und welche KI-Technologien wir nutzen: Wir achten auf Datensparsamkeit, ökologische Verantwortung, den Schutz schöpferischer Leistung, offene Standards und eine starke europäische digitale Infrastruktur. [11]
Wenn wir aber für unsere Kommunikation eine Technologie verwenden, der die Menschlichkeit fehlt, die Menschen ihrer Arbeit und uns alle unserer Lebensgrundlagen beraubt, verspielen wir das Vertrauen in unsere Politik.
Wir verzichten daher als Kreisverband vorerst auf die Nutzung generativer Bildtechnologien und warten auf die bundesweiten Vorgaben, da der Umgang mit KI nicht isoliert in Köln, sondern im Rahmen einer bundesweiten Strategie entschieden werden sollte. Sollte im Rahmen von strategisch begründeten Ausnahmefällen dennoch auf generative Bilder zurückgegriffen werden, ist eine eindeutige und verpflichtende Kennzeichnung dieser Inhalte auf den Bildern/Videos zwingend erforderlich.
Kategorie
Beschlüsse | Digitales, Verwaltung & Bürger*innenbeteiligung
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